Mother Tongue – FZW Club Dortmund, 30.10.09

von Hififi am 6. November 2009

in Feierlichkeiten

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Die Visions wird Zwanzig und bittet allerlei Bands aus aller Herren Länder um ein Ständchen. Newcomer und alte Weggefährten geben sich an vier Tagen in Dortmund die Klinke in die Hand und bei allerlei Mittelmaß findet auch eine der besten Live-Bands überhaupt den Weg nach Dortmund: Mother Tongue.

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen spielen Davo Gould, Bryan Tulao, Christian Leibfried und Sasha Popovic im FZW zu Dortmund. Am 30.10. sind es Mother Tongue, die den Abend beschließen dürfen mit einer Spielzeit von Sage und Schreibe zweieinhalb Stunden, das scheint angemessen. Leider müssen die Kalifornier mittlerweile ohne Plattenvertrag auskommen und außer der Visions-Redaktion ist offensichtlich niemand mehr groß gewillt, diese Naturgewalt auf deutsche Bühnen zu stellen. Warum bleibt ein Rätsel. Von jeher war es gerade der deutsche Markt, der funktionierte und ein wenig Geld in die leeren Kassen spülte. Es tut einfach in der Seele weh zu sehen, dass es gerade diese Band immer wieder zu erwischen scheint. So, aber jetzt sind sie hier und lassen den grauenhaft langweiligen Auftritt von Long Distance Calling vergessen. Wie immer widmen die Herren sich nach Betreten der Bühne noch ein wenig ihren Instrumenten und der Alkoholaufnahme (von jeher ein wichtiger Bestandteil des Warm Ups). Dann ist es soweit.

Ganz ehrlich, ich hatte Angst, ob es noch funktionieren würde nach all den Jahren, die ich sie nicht live gesehen habe und der Auflösungsgerüchte. Und nächstes Jahr werden auch Mother Tongue Zwanzig, sodass Davo lakonisch seine steifen Finger anführt, schief grinst und einen tiefen Schluck aus seiner Weinflasche nimmt. Schon klar, älter sind sie vielleicht, aber weiser…? Dann nimmt der ganze normale Wahnsinn seinen Lauf, aus dem sich einzig, wie üblich, Bryan heraushält und an der linken Bühnenseite teilweise ein wenig verstimmt aussehend sein Set absolviert. Ganz anders die restlichen Herren, allen voran Davo und Christian. Apropos Christian: „Broken“ darf seit jeher bei keinem Auftritt fehlen und ebenfalls seit jeher brennen bei diesem, „seinen“ Song Herrn Leibfried alle Sicherungen durch. Das haben wir schon häufiger gesehen, aber dieses Mal war es wirklich angsteinflößend intensiv. Es ist wie bei einem Exorzismus, wenn der Geist zum letzten Mal und besonders intensiv den Körper seines Opfers beansprucht und der unkontrolliert und von heftigen Krämpfen geschüttelt durch die Gegend wankt. „Broken“ ist ja nun eh nicht gerade kurz, aber an diesem Abend sicherlich volle fünfzehn Minuten lang, während denen Christian sich einmal samt Gitarre und einmal mit Mikro und Mikrophonständer über das Publikum tragen lässt, die wildesten Kreisch- und Jaulgeräusche mit Gitarre und Stimme erzeugend. Da sind selbst Bryan und Devo offensichtlich leicht erstaunt und bringen sich in Sicherheit.

Es war ein hervorragender Abend mit allen Hits (vornehmlich vom selbstbetitelten Meilenstein) und einem gesprächigen Davo, der nicht müde wurde uns (dem Publikum), Dirk Siepe (im Speziellen) und der Visions (im Allgemeinen) zu danken. „It’s all about music, man!“ Es klingt platt, aber irgendwie stimmt es an Abenden wie diesem.

Foto: myspace.com/mothertongue

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