Mother Tongue – dto.

von Hififi am 4. Dezember 2006

in Musik!

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Dieses Schätzchen gab es lange nicht zu kaufen. Das unbetitelte Debüt der vier Kalifornier erscheint 1994 auf Sony, einem Major. War das der Fehler? Das Songs wie „Damage“ oder „Broken“ keine Singles sind und sich auch sonst keine auf dem Album befinden, ist eine Sache, die Band um die paar Kröten zu bringen, die sie sich hart erarbeitet hat, eine andere. Eine Band die sich nicht nur musikalisch am Abgrund bewegt, die ausgenommen wird, die löst sich auf, logisch. Gott sei Dank gibt es sie wieder. Jungs mit einer derart negativen Welteinstellung, denen bleibt nur das Durchhaltevermögen.

Könnt ihr euch noch daran erinnern, dass vor drei oder vier Jahren um Los Angeles große Waldbrände herrschten? Mother Tongue spielten zu dieser Zeit einen (wie immer) fulminanten Gig im Bielefelder Forum. David Gould: „You know, Los Angeles still burns. So let´s play a song for the burning city called ‘Burn Baby’”. Ein anderer Abend ein Jahr zuvor im Faust (Hannover), “Streetlight“ das grandiose Comeback war gerade erschienen: „The next Song´s called ‘Casper’ he was a friend of mine. I need silence to play that song so please shut up”. Niemand nimmt es Ernst. Nach einer Minute und einem kräftigen Schluck aus der Whiskyflasche: “If you don´t shut the fuck up I´ll play it again and again from the beginning“. Nach 15 Minuten ist es überstanden. Das war eine der schwierigsten Situationen, die ich auf einem Konzert je erlebt habe. Ein aufgelöster Sänger und ein völlig überfordertes Publikum. Zum Schluss haben sich alle wieder lieb, das halbe Faust stürmt die Bühne und Davo schüttet dem Erstbesten eine halbe Flasche Wein über den Kopf. Warum erzähle ich das alles? Nur damit ihr Bescheid wisst mit wem ihr es zu tun habt. Diese vier Jungs sind pure Emotion, wahre Hingabe und dem Wahnsinn gerade noch von der Schippe gesprungen.

Es ist 1994 und ich lese zum ersten Mal von dieser Band (im Metal Hammer!), bereits kurze Zeit später landet das Debüt in meinem CD-Player, und eigentlich kann ich bis heute nicht fassen, was ich da zu Hören bekommen habe. Mindestens genauso dreckig wie die frühen Nirvana, mindestens genauso Blues wie die alten schwarzen Männer mit ihren Gitarren, Funk aus den Siebzigern, Hippie-Spielereien aus den Sechzigern, das alles erwartet uns auf diesem Album. Ein Beispiel: „Burn Baby“ beginnt ganz unscheinbar, dann ein kleiner Ausbruch, der andeutet wohin es gleich geht. „The Memphis Blues was on the news/ your city is burning/ your town is a flame”. Dann geht es los, zwei heisere Stimmen wiederholen immer wieder “Burn Baby Burn”, Chaos bricht aus und Geoff Haba trommelt die Apokalypse herbei. „Damage“ schlägt in die selbe Kerbe, denn hier gibt es nur „full speed or nothing“. „Cause I´m a helpless worm/ and I´m so damaged“. Schrecklich plakativ ist das, und ich würde ihnen das auch nicht annähernd durchgehen lassen, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. So wie diese Vier die alten Songs spielen, WAR DAS SO. 1996 war der Ofen auch schon wieder aus, völlig am Ende ging jeder seiner Wege. Erst 2002 finden David Gould, Christian Leibfried und Bryan Tulao wieder zusammen, Sasha Popovic sitzt von nun an hinter dem Schlagzeug, so dass eine der besten Live-Bands wieder auf Tour gehen kann. Zu sehen Mitte Dezember auch in Deutschland. Ich glaube, ich brauche nicht betonen, dass ich jedem ans Herz lege, sich Mother Tongue anzuschauen.

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1 RockinBen Dezember 5, 2006 um 11:57 Uhr

ne, brauchst das nicht zu betonen, Du hast JEDEM schon ans Herz gelegt, auf ein Mother Tongue Konzert zu gehen… Mir nicht nur einmal 😉

2 Hififi Dezember 5, 2006 um 18:11 Uhr

Ich meine es ja auch gut mit dir.

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