Moneybrother – Kamp Bielefeld, 03.12.09

von Hififi am 15. Dezember 2009

in Feierlichkeiten

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Das ganze Kamp unterhält sich lautstark, weshalb ich erstmal im Empfangsbereich stehen bleibe, in der Annahme, es wären noch ein paar Minuten Zeit bis Franz Nicolay die Bühne betritt. Dann aber doch sicherheitshalber nachsehend, steht der amerikanische Alleinunterhalter schon ganz wacker dort, wo er hingehört. Ungeachtet der beachtlichen Geräuschkulisse, erzählt er gerade wieder einen Schwank aus seinem Leben und der ist recht originell. Gut verstehen lässt sich das Ganze aber nur direkt vor der Bühne und ich beginne mich etwas zu ärgern. Offensichtlich sieht er das geschäftige Treiben aber eher als Ansporn an. Zumeist ist sein Anekdotenreichtum tatsächlich interessanter, als es die gelegentlich eingestreuten Songs sind, was wiederum das Kamp anders sieht. Ok, jedem das Seine, und vielleicht sind Instrumente wie Akkordeon und Banjo immer noch ein Hingucker, das Liedgut versteckt sich halt ein wenig hinter Nicolay’s Auftreten und den launigen Ansprachen.

Ein gutes halbes Jahr nachdem „Real Control“ in Schweden erschienen ist, schafft es Moneybrothers neues Album auch nach Deutschland, nicht nur das, Anders Wendin hat sich nebst Begleitband gleich mitgebracht um tatkräftig die Werbetrommel zu rühren. Vorgenommen hat er sich das zumindest. „Born Under A Bad Sign“ ist dabei nicht nur der Opener von „Real Control“ sondern bereitet auch an diesem Abend einen guten Einstieg in ein gutgelauntes Set, herrlich überkandidelter Songs. Gelegentlich lässt sich so einiges nicht ganz ernst nehmen, wenn des Bruders Gesang ins Falsett verfällt („Falsetto-Soul“ wie es auf der Webseite des Kamp so schön heißt) und mir manchmal die Super Furry Animals einfallen, die auch immer ganz artig über das Ziel hinausschießen. Jetzt würde ich in diesem Falle allerdings nicht unbedingt von einem zwinkernden Auge ausgehen. Aber mal ehrlich – Querflöte und laute (in diesem Fall halt Pop-)Musik? Jethro Tull im Northern Soul-Outfit entzieht sich an diesem Abend ein wenig meiner Vorstellungskraft. Und so grinse ich jetzt doch ein wenig verunsichert vor mich hin. Und jetzt fällt mir auch wieder ein, weshalb ich so gerne dieses Konzert besuchen wollte… Ich find‘ den Typen an sich, den Anders Wendin alias Moneybrother faszinierend, Erscheinungsbild und Stageacting sind nämlich gar fürchterlich sympathisch. Wendin sieht dabei aus, wie ein junger Gary Oldman mit einer Prise Sean Penn, im James Dean-Outfit. Das macht ihm so schnell auch keiner nach. Musikalisch eher frühe Elvis Costello & The Attractions, und dass ist nicht unbedingt dem Elvis meine Lieblingsphase. Aber technisch weiß hier jeder was er tut und um sich die trüben Herbstgedanken ein wenig vertreiben zu lassen, gibt es ja kaum was Besseres als Moneybrother. Vielleicht hätte ich mir einfach einen ansaufen sollen, denn auch so fällt das Stillstehen schon schwer.

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