Mogwai – Mr. Beast

von Benjamin am 22. März 2006

in Musik!

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Um die Weiterentwicklung solcher Instrumental- oder Post-Rock Bands wie Mogwai ist es manchmal nicht gut bestellt. Wie im Falle EXPLOSIONS IN THE SKY, bei deren „The earth is not a cold dead place“ Album man eine deutliche Ratlosigkeit spüren konnte. Viele widersprachen mir da, jedoch ist das sinnlose Einsetzen der Delay-Gitarren, die ohne Vor- oder Nachspiel im Raum schweben, auf nichts hindeutend, in den EITS Songs frappierend zu erkennen gewesen. Im Falle MONO war es m.E. ähnlich. Es wurde nur auf die Wirkung des Laut/Leise-Prinzips gesetzt. Man versuchte praktisch das Pferd von hinten aufzuzäumen. Aus dem eigenen Empfinden und dem, was einem Fans und Produzenten sagen, wirkt das Dramatische dieses Laut/Leise-Prinzips verlockend. Wir spielen erst leise und dann laut. Aber es kommt natürlich immer darauf an, WAS man leise und dann laut spielt oder laut und dann leise oder leise und laut und wieder leise. Die Tonfolgen machen die Melodien. Da kann man sich auf noch so sehr von Steve Albini produzieren lassen. Auch das „Walking cloud and deep red sky“ Album wirkte auf mich fad und farblos. Nur leise und ruhig ergibt eben nicht gleich schön.

Ganz anders lief es bei Mogwai. Schon das „Rock Action“ Album lieferte eine hörbare Weiterentwicklung zum vorhergehenden Songwriting. Einbindung elektronischer Elemente, der Versuch, Spannungsböden in kürzerer Zeit zu entwerfen, ausgeteste Grenzen nicht einfach zu wiederholen, Unerwartetes einzubringen (wie der Gesang bei „Dial: Revenge“) machten Mogwai einzigartig und zu Vorreitern in diesem Genre. Nun, sie haben danach eigentlich alles richtig gemacht. „Happy songs for happy people“ war wiederum eine Weiterentwicklung, vor allem was die Produktion anging. Ganz intelligent waren dort viele Streicher beteiligt, die Tonfolgen, die Melodien bestimmten das Bild, nie wartete man auf einen Ausbruch, auf „den nächsten Part“, darauf, dass es mal weitergehen solle. Bei vielen anderen Alben geht es einem manchmal so. Bei Mogwai konnte man schon immer ganz im gegenwärtigen Moment des Songs verweilen, niemals wird man ungeduldig.

Auf „Mr. Beast“ kann einem das erst recht nicht passieren. Um das Thema der Länge der Songs hier gleich einmal abzuhaken: „Ratts of the capital“ war der bis jetzt letzte „lange“ Song Mogwais, auf dem neuen Album wird die 6-Minuten-Marke nicht überschritten. Aber die Melodiebögen des neuen Albums brauchen auch nicht länger. Atem für weitere Minuten hätten alle Melodien auf dem neuen Album. Näher am Live-Sound sind Mogwai schreiben viele und das stimmt auch zu 100%. Das Album ist recht basslastig, auch basslauflastig könnte man sagen. Die Streicher sind eigentlich komplett verschwunden, Mogwai versuchen in jedem Song irgendwie eine verzerrte Gitarre im Hintergrund schnarren zu lassen, die erzeugt dann ebenfalls einen Klangteppich, so wie die Streicher das bisher bei Mogwai getan haben. Melodieführend sind immer noch die Gitarren und das Klavier, aber neuerdings eben auch mal der Bass. Mogwai legen auf diesem Album mehr Wert auf den Song und seine Struktur als auf ein Gefühl, das vermittelt werden soll. Dabei klingen die harten Parts nicht laut sondern einfach hart. Eindringlich. Und harte Parts gibt es viele auf dem neuen Album. Mehr als auf den beiden Vorgängern. Die Produktion in ihrem neuen eigenen Studio bringt es auf den Punkt. Alles ist klar zu hören, vor allem das Schlagzeug, ganz ohne Hall, ein Wegweiser durch die Songs. Wie viele ihrer neuen Kollegen machen Mogwai nicht den Fehler, die Gitarren unter Massen von Delay und Reverb zu begraben und damit auch die Melodien zu begraben. Bei Mogwai ist alles ehrlich und offen und klar ersichtlich. Und gerade der Umstand, dass man hinter jede Melodie blicken kann, macht dann das Album zu dem, was die meisten anderen nicht können: schön.

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