Mötley Crüe – The Dirt

von Hififi am 10. Januar 2007

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Erstmal ein ganz fieses Outing: „Decade of Decadence“ war mein erstes ernstzunehmendes(?) Rockalbum. Ich war zwölf und der Meinung etwas cooleres, rebellischeres noch nie zuvor gehört zu haben. Mötley Crüe sind Mitbegründer einer Musikszene die wir alle noch unter Glam-Metal kennen und in die hinterste Gehirnecke verbannt haben. Hairspray-Rocker im Drag Queen-Outfit, die die New York Dolls vermissen, aber nie auch nur ansatzweise deren Raffinesse in die eigenen Songs packen konnten. „The Dirt“ ist die schonungslose Offenbarung von vier Musikern, die alles mitgenommen haben, was die 80er zu bieten hatten.

Der Aufbau ist denkbar einfach, nämlich chronologisch: Von der Bandgründung, über den Starrummel, bis zum Niedergang, ganz klassisch sozusagen. Thommy Lee, Nikki Sixx, Mick Mars und Vince Neil kommen abwechselnd zu Wort, im wahrsten Sinne des Wortes, denn alles wurde von Sue Wood auf Band aufgenommen und später niedergeschrieben. Deswegen bleibt auch niemand von Thommys Pubertärsprache („Ey, Alter…“) und Nikkis Vulgärvokabeln – der gerne mal von „Schlampen“, die er „ordentlich durchgevögelt“ hat – erzählt, verschont. Vince prügelt sich lieber (unter anderem mit Izzy Stradlin von Guns n´ Roses) und Mick guckt sich das ganze Szenario von außen an und versucht sich zu Tode zu saufen. Wo wir schon beim Stichwort wären, denn alle Vier saufen. Alkohol ist die Grundlage für den gelungenen Tag, darauf wird dann Koks gezogen, Heroin gespritzt und was sonst noch so rein passt. Liest sich auch recht unterhaltsam, bis es zu nerven beginnt, denn schnell wünscht sich der Leser ein wenig Vernunft in die Köpfe der Protagonisten. Das klingt vielleicht spießig, aber 400 Seiten nur Party, Ausschweifung und Gewalt, das gibt es nur im Film, bloß das das hier beschriebene tatsächlich stattgefunden hat. Zwei Adrenalinspritzen ins Herz retten Nikki Sixx das Leben, Vince fährt den damaligen Hanoi Rocks-Drummer in den Tod und Thommy schlägt seiner Freundin die Schneidezähne heraus. Gerettet wird dieses abartige Verhalten nur durch die Selbstironie der Erzähler, die sich zumindest halbwegs bewusst sind, wie ihr Leben auf den Leser wirken muss. Immerhin haben alle überlebt, das ist ja schon mal was.

„Hey, hab ich dir schon die Story erzählt, wie Ozzy meine Pisse aufgeleckt hat?“, aber das lest bitte selbst, so etwas kann man nicht wiedergeben.

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 otic Januar 12, 2007 um 15:59 Uhr

Dein „Outing“ ist eigentlich keine große Überraschung, wenn ich überlege zu was du dich schon alles ab einem gewissen Promillegrad „geoutet“ hast…

😉

2 Hififi Januar 13, 2007 um 21:25 Uhr

Ja ja, wir haben alle unsere Leichen im Keller.

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