Mittekill – Wasser oder Wodka EP

von Pynchon am 29. Oktober 2009

in Musik!

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Manche Pressetexte sind so ulkig, dass ich einfach aus ihnen zitieren muss: „Ist das Wasser oder Wodka? Wenn man derart betrunken ist, dass man nicht mehr zwischen Wasser oder Wodka unterscheidet, müssen andere den Ausschank übernehmen. Die nächste Runde geht aufs House, dachten sich Elektro Willi und Sohn und kredenzen eine flambierte Flamencoverversion des untergründigen Sommerhits.“

Auch ohne diese absolut treffende Umschreibung des musikalischen Mittekill-Elaborats hätte ich gleich beim ersten Hören einiges darauf verwettet, dass die kreativen Köpfe hinter dieser handwerklich sauberen Erkenschwick-Hinterhofkneipen-Mucke (wahlweise auch beim sommerlichen Malle-Urlaub nach einigen Eimern Sangria konsumierbar) Elektro-Willi und Sohn sein müssen. Nicht, dass ich Elektro-Willi bislang begegnet wäre, und sein Sohn ist mir des Nachts auch noch nirgends aufgelauert, aber „Wasser und Wodka“ klingt irgendwie nach ursprünglicher, oder besser zitiert „unter-gründiger“ Sommerhit-Gaga-Seligkeit, die kaum jemand so überzeugend auf den Plattenteller bringt wie Elektro-Willi (allenfalls vielleicht noch Beat-Paule und Vollrausch-Kalli, aber deren Zeiten sind bekanntlich vorbei).

Um ehrlich zu sein, die insgesamt sechs Cover-Versionen von „Wasser oder Wodka“ überzeugen mich nicht so ganz. Hans Nieswandts Discomix etwa klingt doch ein wenig uninspiriert, und auch Maarten Clarks Remix wummert in veralterter „Pump up the Jam“-Dröhnigkeit aus den Boxen. Während sich Malks Remix Mittekills Hauptwerk von der Synthie-Seite aus nähert (aber ihm dabei nie so recht nahe kommen mag), übertreibt es Elektro Willi höchstselbst mit seinem 3 Promille XXL-Remix ein wenig.

Aber das alles lenkt natürlich nur vom eigentlichen Original-Stück ab, und bei dessen Ouvertüre schwirren mir, mal abgesehen vom denkbar rudimentärsten wuppa-wuppa Beat, sofort Assoziationen an Alphaville ins Hirn. Ja, it sounds like a melody, zumindest so ähnlich.

So richtig Fahrt nimmt „Wasser oder Wodka“ jedoch nach etwas über zwei Minuten auf, wenn der überraschend klare, ja gar sanfte Gesang anhebt: „Ist das Wasser oder Wodka? Ich bin drauf wie tausend Rocker! Und der Beat lässt mich nicht locker, bis der ganze Laden schreit!“

Das hinterhältige, irgendwie subversive an dem Song ist sicherlich, dass er so anhänglich ist wie ein übelatmig volltrunkener Thekennachbar, der einen mit glasigem Blick den zittrigen Arm um die Schulter legt und von der Seite über den Ersten Weltkrieg vollsäuselt.

Mittekill haben in diesem Sinn ihren Vers zur Armada musikalischer Neuerscheinungen beigetragen, der in der Erinnerung seiner Hörer eingebrannt bleiben wird wie hochprozentig Gebranntes in den Gehirnsynapsen eifriger Schnapsdrosseln in Erkenschwick und woanders – ob man will oder nicht.

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