Midlake – The Courage Of Others

von Benjamin am 25. Januar 2010

in Musik!

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Bei dem derzeitigen (zum größten Teil gerechtfertigten) Hype um Bands wie Vampire Weekend geht es nicht nur um neue Elemente in der Verschmelzung von Genres und die Verknüpfung auf den ersten Blick weiter auseinander liegender Musikteilbereiche, sondern vor allem um die Positivität, die bei all dem mitschwingt. Die Jungs von Vampire Weekend sind jung und sehen gut aus, und sie lächeln! Denen geht es gut, verdammt! Die haben Spaß beim Musikmachen, da steckt keine Schwere eines Kampfes von Mainstream und Independent dahinter. Die sind mit der normalen überall anwesenden Welt von Alternative und Indie aufgewachsen, die konnten sich das „frei“ aussuchen. Sie sind nicht abgefuckt und zerstört, sie sind nicht Anzeichen für einen Kampf, dessen Sieg wir als ein an die Öffentlichkeit gelangtes Album zu hören bekommen. Heute gibt es so viel Indie und Alternative, dass Zuweisungen wie Mainstream/Radio/Pop immer schwieriger werden. Ist Mainstream das, was sich gut verkauft oder nur das, was die Leute als allernächstes erwarten? Letzteres würde Vampire Weekend nicht mehr als Mainstream zulassen, aber was red ich hier? Um die geht es ja gar nicht. Aber wie wird man aufmerksam in der Welt, wenn man es nicht schon ist? Wahrscheinlich auch durch Reibungen, die man von kulturellen Erzeugnissen zu spüren bekommt. Wenn aber die Musik links und rechts am Bewusstsein vorbei zieht, passiert nichts. Keine Chance, das so etwas bei Midlakes neuem Album „The courage of others“ passiert. Allein die extrem ausgefeilte Produktion wird dies nicht zulassen. Schon wie auf dem letzten Album vibriert und wolldeckt der Gesamtsound die Songs ein, ohne dabei die Modernität der Gleichberechtigung zu vergessen: alle Instrumente sind glasklar hör- und wahrnehmbar: Gitarren, Bass, Schlagzeug, Gesang, Tasten. Allerdings wird dies auch nicht die Platte sein, die beim nächsten Teenie-Geburtstag zum Ausflippen in hippen Klamotten taugt. Es gibt ein paar Kids, die nicht zu diesem Geburtstag eingeladen wurden. Diese Kids sind wahrscheinlich verliebt in den Gastgeber oder die Gastgeberin und müssen jetzt das Gefühl des Außen-Vor kompensieren. Und das ist doch das, was Indie immer war. Ich bin nicht da drin, wo auch immer das Zentrum sich befinden mag, aber ich bin nicht dabei, und die beste Hebamme für das, was als Ergebnis der Substraktion von dem Mainstream, der Clique, dem Geburtstag übrig bleibt, ist Indie. Und Indie ist das, was dich trösten kann, wenn sonst nichts mehr hilft. „The courage of others“ fängt so traurig an, wie kein anderes Album das in den letzten Jahren getan hat. Der Sound ist schleppend, die Melodien in Moll, der Gesang klagend. Nicht ohne Grund ist der Song mit dem Titel „Fortune“ das kürzeste Lied auf diesem Album. Immer noch klingen Midlake als kämen sie 40 Jahre zu spät auf die Musik-Welt. Die sanften Gesänge und die leicht angezerrten Gitarren, die nachdenklich vorgetragenen Lyrics, das bassige Schlagzeug, die klaren Bassgitarrenlinien. Midlake scheinen sich die Aufgabe gesetzt zu haben, nicht nur Hinweise auf Einflüsse zu geben, neu zu klingen und dabei zu verweisen, sondern der Verweis selbst zu sein, aber wie kann das interessant klingen? Midlake sind eine Band, die offensichtlich auf den 70er-Rock-Sound verweisen, trotzdem gut sin, nicht nur Möchtegern, nicht nur billig und klischeehaft. Eingeordnet in die Releases anderer Bands klingt dies zerrender, düsterer, ernsthafter als das, was woanders gemacht wird. Der Sound und die Songs, die Midlake hier gewählt haben, sind wohl das beste Mittel, um all das an den Hörer weiterzugeben. Gleichzeitig wollen sie kein Bild vermitteln, sie wollen nicht vom Hörer eine Erinnerung erzwingen, wie soll das auch gehen bei jungen Leuten? Wenn man als alter und erfahrener Hörer auf die Verweise aufmerksam macht, vergisst man, dass die von jungen Leuten als neu gehört werden. So hat der Sound von Midlake mehr oder weniger einmal die Runde gemacht. Von den Platten aus den siebziger Jahren, die diesen Sound hatten, bis zu den Platten, die darauf verwiesen bis hin zu „The courage of others“, die das alles wieder neu aufzieht.

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