Mia – Zirkus

von Benjamin am 5. September 2006

in Musik!

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Ich bin das letzte Mal auch über den Umweg der Single „Hungriges Herz“ an MIAs zweites Album „Stille Post“ rangekommen. Weil ich immer wieder dieses unglaublich tolle Lied hören wollte, habe ich mir auch den Rest des Albums angehört. War das die Strategie der Plattenfirma? Ist das das große Geheimnis hinter der ganzen Scheiße? Hat es zum ersten Mal bei mir geklappt, dass ich über Singles rangelockt werde? Kann sein. Zumindest mochte ich MIAs neues Album „Zirkus“ anfangs nicht. Alles schien glatt und geordnet, und ich ekelte mich ob der vermeintlichen Angepasstheit. Wieder einmal hatte ich mich damit selbst reingelegt. Vergessen hatte ich, dass ich dieses Verhalten ja schon vor Jahren abgelegt hatte. Spätestens als ich das letzte Mal schmollte, weil ich nicht das zum Geburtstag bekam, was ich mir gewünscht hatte.

Es stellt sich auf MIAs neues Album eine große Offenheit dar, wie ich sie auch schon bei DIE STERNE bemerkt habe, wahrscheinlich ist sie auch auf anderen deutschen Alben dieses Jahres zu finden (fangt mir nicht mit KANTE an!). Man sieht also ein Gerüst aus Melodien, zwischen dem Mieze hin und her turnt (also das deutsche Wort, von „turnen“ wie „rumklettern“) und sich wie eine Reckturnerin sicher von Melodie- zu Melodiestrang schwingt und all das verbindet und eine Architektur des Pop bildet, die man als Prototyp des intelligenten Musikschaffens ins Lexikon stellen könnte. An keiner Stelle kitischig, zumindest nicht, dass es kleben würde, selbst das Bild „Zirkus“, das im Titelstück entworfen wird, wirkt nicht kitschig. Pop wird schnell kitschig, wo auf deutsch über Liebe gesungen wird, echte Liebe, mit Verliebtheit und Treue und Schwur und so. Das liegt an der Schlagervergangenheit in Deutschland (und noch an vielen anderen Dingen). Aber durch MIA kann man sein geheim gehaltenes Schlagerbedürfnis auch ein bisschen stillen. Aber dafür sind MIA dann doch meist zu kantig, es wird doch zu offen und ehrlich über Liebe gesungen („Dann war das wohl Liebe“ muss wohl eins der tollsten und dramatischsten Stücke aller Zeiten sein), da kommen dann doch mal scheppernde Crashs und Analog-Synthies („Floss“ und „Oder Nicht Oder Doch“) vor. Es wird also nicht uninspiriert vor sich hin geträllert, die Melodien klingen traurig und ruhiger, geordnet, gewachsen und reifer (Danke, G., für dieses Wort, vor Wochen habe ich dir noch nicht geglaubt). Miezes Stimme ist auf diesem Album mehr Teil des Gesamtbildes, sie ist mehr Teil der restlichen Band geworden. Die Melodien der Stimme fügen sich mehr in die Melodien der restlichen Musik mit ein, unterstützen und erweitern sie. MIA sind ein großes Bild, es wird gerade enthüllt und die Staubschutzdecke ist jetzt über das obere Drittel geglitten.

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