Mia – Willkommen im Club

von Benjamin am 11. Oktober 2008

in Musik!

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Einen so starken und verschwenderisch melodischen Start wie Mias neues Album „Willkommen im Club“ hält kein Pop-Erzeugnis lange aus, deswegen ist meine Hauptkritik – und die fällt insgesamt extrem gering aus – am neuen Album der eher schwache Mittelteil und das soundmäßig hinter der Zeit trottende Instrumental. Eigentlich ist damit die Kritik auch schon ausgesprochen, ansonsten gibt es eigentlich wieder einmal nur Lob an Mia. auszusprechen, auch wenn Miezes Gesangslinien inzwischen ein klein wenig selbstverliebt wirken, aber dennoch markieren sie immer noch einen harmoniemäßigen Gegenpart zu den trocken und nah aufgenommenen Instrumenten. Auch bei diesem Album kann man Anerkennung für den Mut zur Moll-Harmonie aussprechen, vor allen Dingen die ersten drei Tracks sind sicherlich in ihrer traurigen Dramatik von keinem anderen aktuellen Pop-Album einzuholen und vermitteln damit eins: holt man den Pop-Hörer aus seiner vermeintlich eintönigen (im wahrsten Sinne des Wortes) Sicherheit hinaus und katapultiert ihn in die herzzerreissende Theatralik Mia’scher Akkordfolgen, entsteht vor allem ein schmachtendes Gefühl ganz ohne Pathos, das kein Conor Oberst der Welt jemals erzeugen könnte. Natürlich: diese Art Musik zu machen hat Vorbilder, ganz besonders im deutschen Schlager Ende der 70er Jahre, Mia. aber treten mit einem deutlich alternativen Rock-Anstrich in diese Fußstapfen. Trotzdem ist die Reminiszenz an den deutschen Schlager für viele eine unüberwindbare Hürde. Damalige Songs erscheinen heute einfach meistens nur noch lächerlich, Vortragsweise und Arrangement führen zu diesem Gefühl, das Grundgerüst jedoch dürfte jedem Anhänger trauriger Melodien gefallen. An etwas anderes erinnern mich die sich überlagernden Vokalharmonien noch, und zwar an die Arbeitsweise Brian Wilsons bei den Beach Boys Anfang bis Mitte der 60er Jahre. Diese Art, die Stimme als Akkord arbeiten zu lassen und sie so in den Vordergrund zu bringen, war vor allen Dingen bei den ersten Alben bis einschließlich „Pet Sounds“ zu hören. Damit erhält man den Eindruck, es wurde an den Songs gearbeitet, man hat sich in den Dienst der Musik gestellt. Gemastert ist „Willkommen im Club“ aber auch wiederum fragwürdig, etwas metallisch und – wie immer heutzutage – laut klingen die Instrumente im Endprodukt und da fällt einfach auf, wie viel Geld für die Plattenfirma mit Mia. zu verdienen ist, denn dieses laute Mastering dient heute der Aufmerksamkeitserregung im Radiobrei. Letztendlich ist nicht hoch genug anzurechnen, wie schwierig es fallen muss, die Entscheidung zu diesen Melodien und Akkordfolgen zu treffen. Hier wird großzügig mit Melodien umgegangen, hier werden Risiken eingegangen und das macht Mia. zur wichtigsten Pop-Band Deutschlands.

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1 Hififi Oktober 11, 2008 um 18:14 Uhr

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