M.I.A. – Live Music Hall Köln, 16.11.10

von Sterereo am 18. November 2010

in Feierlichkeiten

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/\/\/\`//\: steht kryptisch aus Leuchtstangen geformt unter der Hallendecke. Dieses Schrägstrichfiasko steht für den Rufnamen der Londoner Hip-Hop/Electro/Skandalnudel und soll hölzern das Wort „Maya“ darstelllen. Gleichzeitig der Titel des aktuellen Albums von M.I.A., dass kracht, knallt und sie in regnerische Deutschland treibt.

Allen Skandalen zum Trotz: Die Massen bewegt M.I.A. in Köln nicht. Zuvor wurde das Konzert vom E-Werk auf die Live Music Hall herabgestuft und hier ist sogar noch etwas Luft nach hinten. Für ordentlich Lärm sorgt vorab das amerikanische Mann-Frau-Duo Sleigh Bells, die unter der wohl selbst ausgedachten Bezeichnung „Noise-Pop“ laufen. Zarte Pop-Klänge sucht man hier unter dem ganzen Geschrammel, Gebrumme und Gekreische vergebens.

Dann, nach ewigen Hip-Hop und Dancehall-lastigen Beats der Tour-DJane, der große Auftritt der kleinen Frau. Zuletzt hat sie hohe Wellen mit dem medienwirksamen Skandalmusikvideo zu „Born Free“ geschlagen. Hier ist zu sehen wie im großen Stil rothaarige Männer von einem SWAT-Team blutrünstig dahingemetzelt werden. Einer dieser Rotschöpfe aus dem Video macht jetzt seine Turnübungen als Tänzer auf der Bühne. Dort stehen nur wenige Minuten später auch zahlreiche Fans aneinandergedrängt und umschwenzelt von M.I.A., die immer wieder das Mikrofon in die Münder der gröhlenden Masse hält. Das Eis ist gebrochen, diese Künstlerin scheint trotz aller abgefahrenheit ihrer Songs doch ganz „down to earth“. Ständig werden die Aushänge-Samples in die restliche Performence eingestreut, wie das unverkennbaren Formel-1-Geheule von „Bamboo Banga“, die Pistolenschüsse von „Paper Planes“ und das Computergepiepse von „XXXO“. Genau diese Tracks sind so unverkennbar originell und großartig, dass es eine Schande ist, dass gerade hier das Viertel-bis-Halb-Playback kaum zu überhören ist. Wenn überhaupt etwas zu vernehmen war: „Paper Plants“ verkam dank Mikrofonprobleme zur Instrumentalversion – ärgerlich! Stellenweise wirkte die Millardärerbengattin mit ihren Raps überfordert und versteckte sich immer wieder hinter einem ansonsten ungenutzen Rednerpult. Eigentlich eine perfekt Steilvorlage für revolutionäre Parolen, doch es gibt keinerlei politische Publikumsansagen oder dergleichen und schon gar keine Provokationen. Hier beschränkte sich die tamilischstämmigen Tochter eines Freiheitskämpfers aus Sri Lanka auf einen glitzernen Goldschleier, der soetwas wie ein Mini-Statement darstellen könnte. Das einzig Skandalöse: M.I.A. verlässt nach knapp 60 Minuten endgültig die Bühne, nach einem routinierten und erschreckend soliden Konzert. Dass ist wohl fast das Schlimmste, was man zu einem M.I.A.-Auftritt sagen kann.

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1 Hififi November 18, 2010 um 11:25 Uhr

Jetzt bin ich ein wenig desillusioniert aber trotzdem sehr neidisch!

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