Meursault – Pissing On Bonfires / Kissing With Tongues

von Pynchon am 13. November 2010

in Musik!

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Meursault? War das nicht der gefühlskalte Anti-Held aus diesem eigenartigen Camus-Roman, dem die Mutter wegstirbt und der einen Araber ersticht, ohne dass ihn irgendwas zu kratzen schien? Stimmt schon, aber mit dem französischen Existentialismus scheint die Band um Sänger Neil Pennycook, von der literarischen Reminiszenz einmal abgesehen, erstmal nichts weiter zu tun zu haben.

Der im Pressetext verwendete Neologismus „Folktronica“ trifft die Musik von Meursault schon mal sehr gut, denn hier treffen klassisches Songwriterhandwerk und elektronische Spielereien aufeinander. Dabei wird, etwa im Song „The Furnace“, eine romantische Seite offenbar, die mich entfernt an das tolle Album „We were dead before the ship even sank“ von Modest Mouse erinnert. Ohne an das Niveau heranzureichen zu können, allerdings. Was wiederum daran liegt, dass die Stücke zwar durchaus mit Könnerschaft dargeboten und sorgfältig komponiert sind, aber doch ohne besonderen Schmiss, bzw. Überraschung. So plätschert etwa das titelgebende „Pissing on bonfires / Kissing with tongues“ in Wohlgefallen vorüber, ohne dass ich mich über irgendetwas ärgern müsste, aber halt auch ohne begeisterte Anteilnahme.

„Salt Pt. 2“ ist wiederum eine schöne Folknummer, die einen hymnische Gesang mit einigen feinfühligen Gitarrenklängen vereint und sich naturgemäß nach den „Fleet Foxes“ anhört (naturgemäß deshalb, weil die bärtigen Barten ein derart großartiges Debütalbum vorgelegt haben, dass sie die Richtung moderner Folkmusik mitgeprägt haben und somit als Referenz herhalten dürfen). Die reinen Folksongs gefallen mir bei Meursault tatsächlich viel besser, als die von Synthiespielereien durchsetzten. „The Dirt & the Roots“ sticht da etwa heraus und versöhnt für den recht lauwarmen Beginn des Albums.

Dann folgen aber auch wieder Sachen wie „A few kind words“, bei denen munter und ohne wirkliche musikalische Notwendigkeit drauflos getüftelt wird, bis ein experimenteller Brei zusammengebraut ist, der mir irgendwie fade schmeckt. Da picke ich mir lieber die paar schöne Songs heraus, die Potential erkennen lassen, und hoffe für das nächste Meursault-Album, dass sie aus dem elektronischen Kram herauswachsen – da liegen ihre Stärken eher nicht.

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