Metric – The Whiskey Calgary, 10.7.06

von Sterereo am 12. Juli 2006

in Feierlichkeiten

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Ring frei für die nächste kanadische Band beim Heimspiel: Metric. Und manche Moves der Frontsau-Frau Emily Haines erinnern schon ans Kickboxen. Mit einem kurzen Glitzerleibchen und blonder Mähne sieht sie aus wie eine Kreuzung aus Sterntaler und Kill-Bill Uma Thurman. Die Show ist wild und ausgelassen, jeder Song wird frenetisch gefeiert und die Zugabe hätte von Jim Morrison stammen können.

Okay, erstes kanadisches Clubkonzert. Draußen eine (Menschen)Schlange, Türen öffnen um 8 pm und drinnen gibt eine kleine Tanzfläche. Allerdings gibt es auch noch einen zweiten Stock und eine erhöhte Bar mit einer Art Indoor-Terrasse. Dort stehen wir ganz vorne und freuen uns unseres freien Blicks.

Vorne tut sich erstmal eine Zeit lang gar nichts, bis sich dann eine Band mit Frontfrau und Pipse-Keyboard auf die Bühne traut. Das Intro ist lang und ausufernd, so wie es sein sollte. Geil, denkt man sich. Doch dann wird es ruhiger und die Frau fängt an zu singen. Leider doch nichts spektakuläres, bis zum Outro. Dass ufert noch viel weiter aus und das Publikum hat sich gut warm gemacht. Kurze Umbauphase, immer noch zwei Drumkits on stage. Was ist da denn los? Und machen jetzt fünf Leute gleichzeitig einen Soundcheck? Ach nee, noch ne Vorband. Dafür aber lokale Helden, die Jungspunde in engen Jeans kommen aus Calgary und erinnern nicht nur optisch an die Strokes. Den letzten Song darf dann noch ein Assipunk-Freund verhunzen und dann wird auch endlich das überflüssige Schlagzeug abgebaut.

Endlich, Uma Sterntaler entert die Bühne, das Mikro und den Club. Alles steht Kopf. Die Energie sprüht nahezu aus der Mähne der Frontfrau. Diese wird auch so gleich wild geschüttelt, beim Refrain des „Live It Out“-Openers „Empty“ („Shake your head/ it’s empty“). Schon danach ist klar, das hier ist eine Live-Band. Man kann sie nicht einfach hören, man muss sie erleben. Das Set bahnt sich seinen Weg durch die Hits des neuen Albums: „Handshakes“, „Poster Of A Girl“ und „Patriarch On A Vespa“. Menschen bewegen sich und werden bewegt. Absolut mitreißend die Mantra-artige Wiederholung von „I fought the war/ but the war won’t stop for the love of god“. Eine Stunde gespielt, Metric verlassen die Bühne um direkt danach wieder zu kommen. Dann passiert etwas, was ich so nicht für möglich gehalten hätte. Emily Haines geht in die Knie, schaukelt vor uns zurück, Fans versuchen sie zu berühren; sie flüstert „I am bored/ well I am sober“. Die Musik schaukelt sich in epische Höhen, nun liegt sie auf den Boden singt „I am a Barbie on acid“. Ein Statement wie aus Morrisons Munde („I am the lizard king/ I can do everything“). Das geht einige Zeit bis „Acid Barbie“ samt mitgebrachter Champagnerpulle von der Bühne stielt – ersteres war also gelogen. Davor hat der Bassist sein Instrument schon längst über den Verstärker gehängt und fummelt virtuos an seinen Pedalen rum, sein Kollege mit sechs Saiten tut es ihm gleich. Auch der Drummer macht Überstunden. Das Getöse ist ohrenbetäubend und faszinierend zu gleich. That’s Rock ´n’ Roll! „That’s entertainment!“.

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