Mercury Rev – All Is Dream

von Hififi am 8. Juli 2006

in Musik!

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„All Is Dream“ ist ein völlig programmatischer Titel, denn selten hat ein Albumtitel so gut zur Musik gepasst. Mercury Rev kreieren ein Märchen, und alle Bewohner des Waldes treffen sich zum musizieren, allen voran Jonathan Donahue mit seiner Koboldstimme. Bombast ist in dieser Parallelwelt kein Schimpfwort, stattdessen baut das Trio aus Buffalo eine gigantische Soundwand aus flirrenden Keyboards und Streichern, die mit Pauken und Trompeten die Stille durchbrechen.

1998 war ein entscheidendes Jahr für Mercury Rev. Die Band um Jonathan Donahue, Sean Mackiowiak (Gitarre) und Jeff Mercel (Bass) wagte die Tabula rasa und schmiss ihren damaligen Sänger David Baker aus der Band, der sich immer mehr für die destruktiven Momente in der Musik und im Zusammenleben verantwortlich zeigte. Gehen mussten der Krach und die Drogen (na ja, wohl auch nicht ganz), dafür kamen Harmonie und Wohlklang. Drei Jahre nach „Deserter´s Songs“ putzt „All Is Dream“ den älteren Bruder von der Platte, aber eigentlich sind die Beiden sich zu ähnlich, um zu konkurrieren.

Es gibt viel Licht und Schatten im Märchenwald (damit meine ich nicht zwangsläufig „Nite And Fog“), so geht mit den Anfangsklängen von „The Dark Is Rising“ die Sonne auf, bloß dass bei Zeilen wie „I dreamed of you in my arms/ But dreams are always wrong“ gleich wieder Wolken aufziehen. Hier werden Trugschlösser gebaut, denn es ist niemals so schön wie es klingt, so ist „Tides Of Moon“ schon recht progressiv geraten, denn alles hat einen doppelten Boden. „Nite And Fog“ bringt dann alles wieder in Ordnung. Donahue singt als könne er kein Wässerchen trüben, Waldhörner ertönen und die scheppernden Drums erzeugen eine unwirkliche Dynamik. Ganz klar dieser Song ist groß, und wie zum Beweis ertönt eine ganze Batterie an Streichern. Aber es geht auch ohne Bombast, denn „Spiders And Flies“ lebt von seiner zeitlos schönen Melodie und jeder überflüssige Ton könnte das zarte Pflänzchen töten. Das abschließende „Hercules“ ist ein Epos, ein fast achtminütiges. Der Aufbau ist unwiderstehlich, die Steigerung unsterblich, das Gitarrensolo herrlich verspult. Donahue singt, jault und leidet, stirbt den Heldentod, das Lied auch, der Zauber ist verflogen. All Is Dream!

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