Melt!-Festival Sonntag – Ferropolis Gräfenhainichen – 17.-19.7.

von Hififi am 26. Juli 2009

in Feierlichkeiten

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Der Sonntag zeigt sich wettertechnisch von einer sehr viel angehnemeren Seite, zwar ein wenig launisch und windig, dafür aber bbleibt es trocken. Im strahlenden Sonnenschein erklimmt ein bestens aufgelegter Patrick Wolf um kurz nach Fünf die Bühne der Main Stage. So extravagant seine Musik, so auch sein Outfit. Ganz klar an Ziggy Stardust erinnernd, im Ganzkörperanzug und Federboa, gelegentlich die Flying V im Anschlag turnt er von einem Bühnenende zum anderen. Mitgebracht hat er uns einen bunten Reigen an Songs seiner mittlerweile vier Alben, von denen die neueren Beiden nur noch selten die dunkleren Seiten des Musikerdaseins beleuchten. Aber auch trotz eitel Sonnenschein bleiben doch gerade Lieder wie „The Libertine“ und „The Gypsy King“ vom 2005er Meilenstein „Wind In The Wires“ hängen, die perfekt Melodie und Melancholie zu vereinen wissen. Zum Schluss lässt das Wolfskind alle Hüllen fallen und den Zuschauer angewohnt nah an sich heran, der guten Laune sei Dank. Apropos fallende Hüllen… während wenige Zeit später Polarkreis 18 ein ambitioniertes Set an hoch gejodeltem Synthie-Pop darbieten, zieht eine Nackedei-Performance eines Besuchers die Aufmerksamkeit des Großteils der anwesenden Leute auf sich und stielt unseren Chart-Stürmern ein wenig die Show. Nicht völlig zu Unrecht, denn Polarkreis 18 spielen zwar solide auf, aber der Funke will auch nach mehreren erlebten Auftritten nicht recht überspringen und so muss ich zu meiner Schande geschehen, dass auch ich eher dem alternativem Entertainment unseres Exhibitionisten zusehe. Zuvor strapazieren allerdings noch Glasvegas die Geduld des überwiegenden Teils des Publikums. Schuld war zudem ein mieser, weil übersteuerte Sound und der etwas exaltierte Gesang von James Allan, sodass sich doch so einige auf die Socken machten. Auf ihrem selbstbetitelten Album gefallen mir gerade die Singles „Geraldine“ und „It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry“ besonders, die aber ebenso im Soundmatsch versinken, wie die restlichen Songs ihres Debüts. Schade! Dann ist es an Kasabian Stimmung zu verbreiten, denn das wird langsam Zeit nach den großzügigen Hängern der beiden vorangegangenen Bands. Sänger Tom Meighan scheint ganz begeistert von den umstehenden Baggern zu sein und vergleicht sie mehrmals mit Transformers. Originelle Idee im Prinzip, aber als dann die dritte und vierte Ansage diesbezüglich ertönt, wird es langsam ein bisschen stumpf. Schlechte Drogen aber gute Musik. Zumindest war ja nun das Debüt ein Meilenstein, an den unsere Vier aus Leicester seitdem vergeblich anzuknüpfen versuchen. Aber es gibt sie alle, die ganzen Hits: „Reason is Treason“, „L.S.F. (Lost Souls Forever)“ und selbst „Shoot The Runner“ macht eine gute Figur. Zwischendurch gibt es neue Kost vom gerade erschienenen Album um die Lücken zu schließen. Sagen wir es mal so: Ihre besten Zeiten liegen bereits hinter ihnen, aber Stimmung machen sie an diesem Tag für drei. Der Platz vor der Main Stage ist gänzlich belegt, es werden Fahnen geschwängt, es wird mitgesungen und getanzt. So soll es sein und da lassen sich gelegentliche Lückenfüller schnell verzeihen. Die gibt es bei Oasis-Auftritten nicht, was nicht heißen soll, dass nicht sogar ganze Alben welche gewesen wären. Aber für ein 90-minütiges Festival-Set reichen die Hits allemal und von denen haben sich im Laufe der Jahre so einige angehäuft. Ansonsten ist alles beim alten, Liam ist weiterhin der Meister des Proll-Geposes und Noel verzieht wie immer keine Miene. Business as usual und ein gelungener Abschluss eines noch gelungeneren Festivals!

Und ein letztes Mal die Erinnerung:

http://www.twitter.com/hififisterereo

http://www.youtube.com/hififisterereo

(+ neuem Nackedei-Video)

Fotos: Stephan Flad und Geert Schäfer

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