Melt!-Festival Freitag – Ferropolis Gräfenhainichen 16.-18.07.2010

von theresa am 27. Juli 2010

in Feierlichkeiten

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It’s number 13, baby – so steht es auf einem großen Banner, der die Hauptbühne ziert. Zum 13. Mal heißt es also „Schmilz!“. Und in diesem Jahr war diese Aufforderung sogar wörtlich zu nehmen. Bei Bombenwetter durfte ich in der spektakulären Schaufelbaggerlocation alias Ferropolis ein Bomben-Line-Up genießen.

Der diesjährige Melt!-Freitag war geprägt von Entscheidungen. Entscheidungen treffen gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken, aber was soll man machen bei einem so unglaublich starken Programm, das im Vorfeld schon zu vielerlei Diskussion führte. Es war immerhin erfreulich zu sehen, dass die Melt!-Verantwortlichen ihr Möglichstes taten, um allzu ärgerliche Überschneidungen zu reparieren.

Nachdem man sich am Nachmittag von Hoch Beowulf (wer denkt sich eigentlich diese Namen aus?) die Sonne am und im Greminer See auf den Bauch hat scheinen lassen, konnte es in immer noch brütender Hitze auf zum Festivalgelände gehen. Bonaparte sorgten gegen 18 Uhr auf der Main Stage wieder einmal in gewohnt verrückter Montur für gute Stimmung, so dass die Shout Out Louds im Anschluss schon fast langweilig wirkten. Nachdem ich sie nun schon einige Male live anschauen durfte, fehlten mir Reiz und Rafinesse in der Performance, also fiel meine Entscheidung auf den zeitgleich auf der Big Wheel Stage spielenden Hendrik Weber, oder besser bekannt als Pantha du Prince. Diese der insgesamt fünf Bühnen ist durch elektronische Musik geprägt, bei der man, in einem gewissen zeitlichen Rahmen versteht sich, ununterbrochen tanzen konnte. Meine anfängliche Skepsis, ob mir Pantha du Prince zu dieser frühen Stunde gefallen würde, wich schnell bei dem großen Andrang von Menschen und guter Laune. Die Mischung aus feinem Glockenklimpern und tiefen Beats kam gut an. Danach schnell rüber zur Gemini Stage, die in diesem Jahr eher einer Käseglocke als einer Bühne glich. Während ich bei Two Door Cinema Club Stoßschweiß erlitt, stellten sich doch die berechtigten Fragen über die Funktion des Glasdaches, denn wirklich viel Einsicht auf die Bühne lieferte das milchige Dachkonstrukt von den Rängen, die die Zelt-Bühne außerhalb umgeben, auch nicht. Aber Eitelkeit in dem wohl möglich schönsten Festivalpublikum über Bord geworfen und Musik genießen. Der Auftritt von Two Door Cinema Club gefällt mir gut, vor allem in Betracht darauf, dass mich ihr Album im Vorfeld nicht so recht überzeugt hat. Die Titel waren für mich zwar nett anzuhören, aber dennoch fehlte mir immer das gewisse Tüpfelchen auf dem i. Ganz anders bei ihrem Live-Auftritt: Die Band verstand es, das Publikum mitzureißen und selbst eitle Faultiere wie mich zum Toben zu bringen. Den wohl beliebtesten Kracher „I Can Talk“ bewahrten sie sich bis zum Schluss auf und gaben ihn in einer eifrig geforderten Zugabe zum Besten.

Nach einer Umbaupause waren die Engländer Delphic an der Reihe, für deren Performance sich im Vorjahr vermutlich nicht einmal ansatzweise so viele Menschen wie an diesem Freitag Abend interessiert haben. Die Band wirkte souverän und dadurch, dass sie ihre Lieder nicht einfach runterspielte, sondern mixte, variierte, verfeinerte, schien sie Freude an dem, was sie macht, zu haben. Dies bot sich aber hinsichtlich der elektronischen Einflüsse in ihrer Musik auch an.

Auch in diesem Jahr sollte das Festivalgelände nicht wieder so aufgebaut sein wie in den Vorjahren, sondern den Wiederholungstätern eine Überraschung bereithalten. Neu im Sortiment war die Bühne am sogenannten Desperados Beach, zu der man gelangte, in dem man an der Big Wheel Stage vorbei in Richtung See ging. Dorthin wagte ich mich das erste Mal gegen Mitternacht, um mir Four Tet zu Gemüte zu führen. Während es am Horizont ein starkes Gewitter (von dem das Festival zum Glück verschont blieb) zu bewundern gab, fügte sich die experimentelle Musik des Londoners wunderbar in das Szenario ein. Verzückt ging es dann für mich zurück zur Hauptbühne, bei der sich bereits viele Menschen eingefunden hatten, um The xx anzuhören. Mich überzeugten die drei schon bei einem Konzert in der Fabrik in Hamburg Anfang Januar, und es war somit sehr erfreulich zu sehen, dass sie sich in ihrer Performance weiterentwickelt haben und es mir nicht wie ein Déjà-vu erschien. So sollte zwar auch wieder ein Stück aus einem anderen Genre gecovert werden, aber diesmal entschied man sich für den Dance-Track „Would You Mind?“ von Kyla. Schön! Nichtsdestotrotz habe ich mit der Müdigkeit zu kämpfen und der ein oder andere Sekundenschlaf lässt sich bei den ruhigen Klängen nicht mehr vermeiden. Daher war ich dankbar, dass Foals, die im Anschluss die Main Stage bespielten, etwas mehr Krach machten. Galoppierend präsentierten die Fohlen ein tolles Set, das in erster Linie eine ausgewogene Mischung ihrer zwei Alben, „Antidotes“ und „Total Life Forever“ war. Auch die (nach Aussage von Sänger Yannis Philippakis) erste Live-Aufführung von „After Glow“ gelingt. Das Publikum dankt mit viel Applaus, zumal Foals ihren Auftritt beim Melt! 2009 nicht wahrnehmen konnten.

Völlig übermüdet fand dann mein Abend sein Ende, inklusive Ärgern und Bereuen, für Booka Shade keine Kraft mehr gehabt zu haben. Danke, Körper!

Fotos: Theresa Bick

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