Maurenbrecher – Hoffnung für Alle

von Hififi am 3. Dezember 2009

in Musik!

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„Hoffnung für Alle“ klingt wie der Wahlkampf-Bauernfänger der Linkspartei „Reichtum für Alle“, bloß das Gysi/ Lafontaine das wohl irgendwie sogar ernst gemeint haben werden. Vergleichbar dagegen schon eher „Keine Macht für Niemand“, so der Titel des bedeutsamsten Albums der Ton Steine Scherben, die diese Parole gerne an jede Wand geschrieben hätten. Und soviel Ernsthaftigkeit lässt Manfred Maurenbrecher auf seinem siebzehnten Album auf schnoddrige Ironie treffen, wie es sich schon lange niemand mehr getraut hat.

Die Parallele zu Franz Josef Degenhardt ist also unverkennbar, aber schön zeitnah verarbeitet der bald Sechzigjährige Themen, die uns alle beschäftigen, wie die Weltwirtschaftskrise („Bad Bank“): „Die macht die Miesen von den Reichen allen andern Menschen auf der schönen weiten Welt zum Geschenk/ Wir leben alle in der Bad Bank“.

Politisch völlig unkorrekt zieht er über politisch unkorrekte, ökologiefeindliche, rücksichtslose Spritfresser her („Off-Roader“). Oder doch wieder die Wirtschaftskrise, die ja nun wirklich genug Stoff für Hohn und Spott bietet („Agit-Prop 08“): „Auf ins Bergwerk Finanzberater/ Lass doch dein Geld für dich arbeiten“.

Stimmlich nah am „König von Deutschland“ nimmt Maurenbrecher auch gerne mal den „Sonderzug nach Pankow“, singt Chansons, Bluesstücke, schreckt aber selbst vor regem Bläser-Einsatz nicht zurück. Das sind beileibe keine schlechten Referenzen! Und merkt ihr schon was? Dieses Doppelalbum ist richtig gut, Maurenbrecher einer von den Guten, mit Sicherheit ein ehemaliger Sponti, ist ihm linksgerichtete Systemkritik auch 2009 noch ein Anliegen. Zum Schluss noch ein Zitat: „Die wohl einzig wirklich große Entdeckung der gehobenen deutschen Unterhaltungsmusik, Abteilung Liedermacher.“ – Die Zeit, 1983. Da kann ich kaum wiedersprechen.

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