Marybell Katastropy – The More

von am 25. September 2009

in Musik!

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Sicher, aber sicher nicht stilsicher: Marie Højlund und Emil Thomsen basteln sich am Rande der mittlerweile recht umfangreichen Kategorie ‚Boy/Girl-Group‘ schlichtweg ein Plätzchen zurecht, in dem nur sie zuhause sind. Lamb, Moloko, Montys Loco sowie das Heer an Achtziger-Jahre-Electropop-Bands haben schließlich genug Spielraum übrig gelassen, um alles zusammen in einen furios ätzenden Wirbelwind zu verwandeln, der sekündlich die Richtung wechselt. „The More“ ist einerseits mehr von den genannten Einflüssen. So viel mehr, dass sich in den ersten Hördurchgängen alles andere als gewöhnliche Songstrukturen erkennen lassen (Die reduzierte Pianoballade „His Desperate Voice“ ausgenommen.) Andererseits hört man Marybell Katastrophy in jeder Minute den genretypischen Minimalismus des Zwei-Mann-Projektes an. Hakenschlagend zwischen Richard D. James-Beats, Dreampop-Vocals, Arcade-Videospiel-Geklingel und tausender zuckender Blitze verlegt das Duo ein auf den ersten Blick undurchdringliches Gewirr funkensprühender Stromkabel. Wie Stolperfallen legen sich einem die Tracks um die Füße, um sich im richtigen Moment zusammenzuziehen. Gefangener ist, ohne darauf vorbereitet zu sein: Der Hörer. „The More“ ist eine dieser Platten, die fest auf dem Fundament der großen isländischen Stilikone Björk verankert ist. Ohne deren Backkatalog würden Marybell Katastrophy nicht so klingen, wie sie klingen: Die Vocals verfolgen dermaßen eigenwillig ihre verschlungenen Pfade durch das elektronische Gestrüpp, dass man ab und an Probleme damit hat hinterherzukommen. Durch die Fülle an Richtungswechseln fügen sich die einzelnen Elemente nicht immer zu einer Einheit zusammen und fressen sich am Schluss gegenseitig auf. Wenn die Synthese aus durchgeknallter Girlgroup und Gothpop-Synthesizer-Apokalypse zusammenfindet, dann haut es einen auch gleich vom Hocker. Besonders gegen Ende greift alles doch noch ineinander: Noise und Pop, Gitarre und Beats, Laut und Leise. So ist „Red Red“ ein giftig-geiferndes Säurebad aus Róisín Murphy-Sprechgesang und Girls Aloud-Sexyness. “Hey Frank” pulsiert und kulminiert in einen harten Lärmstakkatto, der nach zuckersüßer Einleitung alles niederreißt, was versucht, den eben noch sanft groovenden Beat in eine Bewegung auf dem Dancefloor umzusetzen. Mit dem abschließenden Industrial-Gospel-Mantra „Good Old Germany“ endet „The More“ mit einem düster-furiosen Höhepunkt und entlässt den Hörer so schlau wie am Anfang und dem dringenden Verlangen, diesen Trip möglichst bald live erleben zu müssen.

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