Martha Wainwright – dto.

von Hififi am 3. Februar 2006

in Musik!

Post image for Martha Wainwright – dto.

Komischerweise verbinde ich spezielle Alben fast immer mit Ereignissen, z.B. mit Büchern (die ich zur selben Zeit gelesen habe) oder mit Urlauben. Phantom Planets Debüt und vor allem „California“ wird mich bis in alle Zeiten an New York erinnern. Martha Wainwrights selbstbetitelter Erstling wiederum an Skifahren und Weizenbier. In den wenigen Stunden der Ruhe innerhalb eines Skiurlaubs habe ich auf jeden Fall nichts anderes gehört. Mit Sicherheit passt dieses Stück Liedermacher-Kunst nicht auf die Skipiste, auch nicht ins sonnige Kalifornien, dann schon eher nach New York, schließlich wohnt Martha Wainwright dort.

Papa Loudon Wainwright III muss in letzter Zeit einiges einstecken. Zuerst beleidigt sein Sohn Rufus ihn öffentlich im Text von „Dinner At Eight“ (auf „Want Two“) und jetzt kommt auch Tochter Martha mit einem Song namens „Bloody Mother Fucking Asshole“ um die Ecke, und relativiert sogleich wieder, „Ich dachte, er nähme mich als Musikerin nicht ernst. Diesen Song schrieb ich aus Angst davor, dass er Recht haben könne – und um mich zu überzeugen, dass er nicht recht hatte.“ Dieser Song ist so unglaublich intensiv und mit unglaublichem Tiefgang ausgestattet, dass man dieses Unterfangen nur als absolut gelungen ansehen kann. „I will not pretend/ I will not put on a smile/ I will not say I’m all right for you/ when all I wanted was to be good/ to do everything in truth/ to do everything in truth”. Mit mehr Leidenschaft und Hingabe kann man Zeilen wie diese nicht singen.

Ein Song wie „Ball And Chain“ besticht nicht nur durch originelles Songwriting, sondern auch durch einen bissigen Text und man fühlt sich nicht zuletzt an die frühe Alanis Morisette erinnert, als sie noch Pfeffer im Arsch hatte. Aber keine Angst, originell sind alle Lieder auf „Martha Wainwright“, bloß teilweise wird es ein wenig klassischer („Wither Must I Wander“), was den einen oder anderen abschrecken könnte.

Das manche der Songs der 29-jährigen schon über sieben Jahre alt sind, hört man zu keiner Zeit, zu zeitlos die Musik, zu eigen der Stil. Das ihr dadurch sehr wahrscheinlich auch der große Durchbruch verwehrt bleiben könnte, scheint eingeplant, fast schon gewollt. Die Eingeweihten erleben allerdings großes Gefühlskino, lyrics kurz vor dem Abgrund und eine eindrucksvolle und zugleich fragile Stimme. Lauter Widersprüche, die zusammengenommen Sinn ergeben, zu erleben auf: “Martha Wainwright“.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: