Manowar – Color Line Arena, Hamburg 28.03.2007

von JonesKorn am 29. März 2007

in Feierlichkeiten

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Other bands play – Manowar kill! Soweit die Theorie, die es am Mittwoch, 28. März in der Hamburger Color Line Arena in die Praxis umzusetzen galt. Tatkräftige Unterstützung haben sich die ewigen Krieger, Selbstdarsteller und einzig wahren Metaller um Bandmitgründer und Bassist Joey DeMaio von den durch ihn produzierten US-amerikanischen Holyhell sowie Rhapsody In Fire (ehemals nur Rhapsody) aus Italien geholt. Durch eine reichlich ungünstige Zeitplanung unsererseits haben wir Holyhell leider komplett verpasst, deren Interpretation vom “Phantom der Oper“ hätte ich mir gerne mal angehört. Auch von Rhapsody In Fire haben wir leider nur noch die letzten paar Takte mitbekommen. Schön war es in jedem Fall mal wieder, ein Schlagzeugsolo zu hören, für das die restlichen Musiker dann auch mehr oder weniger von der Bühne verschwanden. Diese Hommage an den Schlagzeuger wird meiner Meinung ohnehin zu wenig gepflegt, schließlich ist er es doch, der in vielen Fällen die Musik trägt und das Tempo vorgibt. Mangels längerer Eindrücke möchte ich aber keine weiteren Ausführungen zu Rhapsody In Fire von mir geben – außer, dass es sich durchaus lohnen könnte, sie in voller Länge zu hören. Nächstes Mal…

Eine Käsestange und ein weiteres Ekelholsten im praktischen 0,5l Schlabberbecher später kamen endlich die selbsternannten True Metal Götter auf die Bühne. Das Publikum, das schon vor der Halle lauthals kundgetan hat, dass hier außer Manowar eigentlich gar keine andere Band spielen bräuchte, erwies sich als ein dankbares; die Stimmung war definitiv von Beginn an gut. So auch bei uns und bei mir persönlich erst recht, da es mein erstes Manowarkonzert überhaupt war. Dass sich die Band mit dem immerhin 25 Jahre alten Song “Manowar“ sozusagen noch mal selbst ankündigt ist nur legitim. Man kann über das Posen dieser Band sagen was man will und auch die meisten verbalen Äußerungen sollte man vielleicht nicht für allzu voll nehmen, aber singen kann Eric Adams, das steht fest. Gänzlich in die Irre geführt haben sie mich dann, als – ebenfalls ziemlich zu Beginn – “Gloves of metal“ gespielt wurde. Von da an habe ich eigentlich einen Knaller und/oder Klassiker nach dem anderen erwartet, doch das was kam, war ein zwar solide gespieltes Programm, das aber irgendwie nicht so recht in meine Schublade für Metalkonzerte passen wollte. Zumeist wurden die Haare des Publikums durch die acht in Richtung Auditorium gerichteten übermannshohen Lautsprecher und Scott Columbus‘ daraus hämmerndem Schlagzeug durchgeschüttelt und nicht durch rhythmisch schwingende Kopfbewegungen der Zuhörer selber. Zwischendurch wurde eine kleine Showeinlage eingeschoben, in der ein Besucher auf der Bühne Karl Logan bei der Gitarrenarbeit unterstützen durfte. Dazu waren drei weibliche Fans auf die Bühne geholt worden, die… ja, was auch immer die da sollten. Das hat auch ganz ordentlich geklappt (mit der Gitarre, der Junge schien nicht untalentiert), aber dennoch wäre mir eine barbusige Zuschauerin auf einem Motorrad echt lieber gewesen. Oder eben gar keine solche Unterbrechung.

Neben diesem ganzen Klimbim wurde natürlich auch Musik gespielt, wobei ich insgesamt (nur) zweimal zum headbangen animiert wurde. Ein bisschen wählerisch bin ich in dieser Hinsicht zwar, aber so sehr ja nun auch wieder nicht; glaube ich jedenfalls. Wenigstens kam mit “Black wind, fire and steel“ noch mal ein richtiges Brett auf den Tisch, bevor man die Bühne räumte um sich zur Zugabe bitten zu lassen. Diese folgte dann in einer Art und Weise, dass wir zeitweise dachten, wortwörtlich irgendwie im falschen Film zu sein. Fast das komplette aktuelle Album Gods Of War wurde in einer Art Theateraufführung inklusive Showkämpfen, zum Teil aufwändiger Requisiten und Effekte sowie künstlichem Regen (der in der doch recht warmen Halle eine Wohltat war), auf der Bühne nachgespielt. Zur Unterstützung gab es einige Filmpassagen auf einer Leinwand. Ich kann ja verstehen, dass Manowar sich freuen, endlich ihren eigenen Helden- und Kriegerepos fertiggestellt zu haben und grundsätzlich mag ich solche Ideen bzw. Konzeptalben (man denke nur an die gelungene Metal Opera von Avantasia), aber ich besuche eigentlich kein Metalkonzert, um mir eine halbe Stunde lang Schauspielkunst anzusehen. Allerdings lässt sich so auch der recht happige Eintrittspreis erklären.

Mein Gesamteindruck war sicherlich besser, als er hier jetzt durchschimmert. Dennoch bleibt der fade Geschmack, dass ich deutlich mehr erwartet als bekommen habe; insbesondere die Songauswahl hat mich enttäuscht. Handwerklich war natürlich nichts auszusetzen, dafür arbeiten die Jungs schon zu lange mit ihren Werkzeugen. Aber selbst der von Manowar gerne aufgestellten Behauptung, die lauteste Band der Welt zu sein, muss ich trotz der beeindruckenden Lautsprechertürme widersprechen: 2005 waren Accept auf dem Wacken Open Air deutlich lauter (am Alter kann’s nicht liegen, Accept sind gut eine Dekade älter). Wem das aktuelle Album zusagt und wer die Geschichte gerne auch mal optisch aufbereitet sehen will, dem sei in jedem Fall ein Konzertbesuch nahe gelegt. Alle anderen sollten vielleicht eher darauf spekulieren, dass Manowar noch einmal in Deutschland auf Tour gehen und bis dahin hoffentlich den Theaterkurs wieder abgewählt haben (dies ist übrigens keine Kritik an der Darstellung selbst, die war durchaus ansprechend und professionell inszeniert).

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1 Sterereo März 30, 2007 um 14:59 Uhr

Tia für Manowar muss man schon Metaler mit ganzen Herzen sein. Sonst wirds gerade bei denen schnell albern. Gerade wenn man sich die Trackliste des neuen Albums anschaut:

1. Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors
2. The Ascension
3. King Of Kings
4. Army Of The Dead, Part I
5. Sleipnir
6. Loki God Of Fire
7. Blood Brothers
8. Overture To Odin
9. The Blood Of Odin
10. The Sons Of Odin
11. Glory Majesty Unity
12. Gods Of War
13. Army Of The Dead, Part II
14. Odin
15. Hymn Of The Immortal Warriors
16. Die For Metal (Bonustrack)

Trotzdem kann ich mir schon gut vorstellen, dass die ne Ordentlich Show abliefern.

2 JonesKorn März 31, 2007 um 21:42 Uhr

Neben den üblichen Verdächtigen (Steel, Fire, Blood, Metal, Death oder King) hat sich auf diesem Album mit „Odin“ sicherlich ein weiterer Textbaustein manifestiert; das hängt hier ganz sicher mit der erzählten Geschichte zusammen. Mich irritiert vor allem der starke Bezug zur nordischen Mythologie, der zwar auch auf früheren Alben bereits vorkam, m.E. aber nie derart im Vordergrund stand. Bald landet das Album in meinem Briefkasten, dann nehme ich mir das noch mal genauer vor 😉

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