Mando Diao – MTV Unplugged: Above and Beyond

von Pynchon am 26. November 2010

in Musik!

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Nun sind also die fünf Schweden dran! Nach Nirvana, Björk, R.E.M und manch anderen, die später noch folgen sollten, spielen jetzt Mando Diao unplugged auf MTV, also mit Gitarren ausgestöpselt und im handerlesenen intimen Kreis, zumindest „intim“ im Vergleich zu der tausendfachen Rockmeute bei den regulären Konzerten.

Los geht’s mit „Long before Rock’n’Roll“ vom „Ode To Ochrasy“-Album, und da muss ich doch sogleich staunen, weil ich wirklich schwören könnte, im Hintergrund werkelt tatsächlich eine elektronische Gitarre herum! Sakrileg, sowas! Naja, im Grunde soll mir das egal sein, ich bin kein Purist, nur halt von wegen „unplugged“ und so. Der Einstieg ist gut gelungen, das Publikum jauchzt erwartungsvoll und das Stück kommt ähnlich elanvoll rüber wie im Original. Im Anschluss ergreift Gustaf Norén das Mikro, denn es folgt „Sheepdog“, seit jeher mein Mando Diao-Lieblingssong. In der Slow-Mo-Version ihres Unplugged-Gigs höre ich jedoch entsetzt den impulsiven Arschtritt-Reißer aller Energie entzogen wie nach einem tödlichen Vampirbiss, da hilft auch Noréns bewährt nörgelnder Gesangstil nix mehr. Ein gutes Beispiel, dass es manchen Songs gar nicht gut tut, wenn sie puristisch runter gedimmt werden.

Ein grundsätzliches Problem, für das Mando Diao nichts können, liegt für mich darin, dass es irgendwie bescheuert ist, einen Live-Auftritt lediglich zu hören, aber nichts vom Vortrag sehen zu können. Darüber mag man streiten, aber Live-Musik macht für mich auf DVD ganz einfach mehr Sinn als auf CD. Davon notwendigerweise abgesehen, weil ich es nun einmal mit einem Live-Album zu tun habe und viele Leute darin einen großen Reiz sehen, gibt es bei Mando Diao natürlich trotzdem eine große Bandbreite an gelungenen Stücken aus der Historie der Schweden zu hören, eine feine Mixtur aus sanfteren, der intimen Unplugged-Stimmung angemessenen Songs, bei denen auch Streicher und Klavier zum Einsatz kommen, sowie einigen schwungvollen Schlagern wie etwa „Gloria“, der mir in dieser seelenvollen Version und unter Beteiligung einer weiblichen Mitsängerin besser gefällt als in der bekannten Version.

Eine rundum gelungene Sache kann ich das Album jedoch nicht nennen, was einfach daran liegt, dass Mando Diao neben einigen herausstechenden Stücken auch eine Menge Leerlauf in ihrer Karriere produziert haben, der in der Unplugged-Version nicht unbedingt besser wird und zwischendurch auch mal für einen Satz eingeschlafene Füße sorgt. Ebenfalls zu bemäkeln, dass manches Stück (wie etwa der MTV-Hit „Dance With Somebody“) unplugged nicht so gut geglückt rüberkommt. Bei „High Heels“ übrigens schwellen die Jauchzer euphorisch an, als Björn Dixgard „an icon of my generation“ mit auf die Bühne bittet: Rock-Göre und Teilzeit-Schauspielerin Juliette Lewis. Das erotische Tête-à-tête ist eine feine Sache, wenn auch gewiss noch viel besser, wenn man es mit ansehen kann.

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