Mando Diao – Give Me Fire

von Sterereo am 21. Februar 2009

in Musik!

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Mando Diao sind eine moderne Retro-Band und genau das wollen sie auch sein. Absicht also, dass sich die 60er und 70er Jahre an allen Ecken und Enden von „Give Me Fire“ wieder finden. Streicher, Trompeten, dicke Hose-Riffs und raues Geschrei werden zum Markenzeichen.

„Hurricane Bar“ hat mich damals mitgerissen und „God Knows“ warum. Plötzlich standen pilzköpfige Schweden für tanzbaren Indie/Brit-Pop, bei dem gerotzt und geschrieen wurde, wie bei Papa in der Garage, wenn nur der Volvo zuhört. „Blue Lighting, White Trenchcoat“ beschwichtigt erstmal die skeptische Fanbasis aus diesen Tagen, die Mando Diao mit dem Schnellschuss “Never See The Light Of Day” verprellt haben. Ebenso stramm geht es weiter, denn wenn „Give Me Fire“ ein Konzeptalbum für samstabendliche Club-Besuche wäre, dann würde „Dance With Somebody“ (neben dem Titeltrack) der vorprogrammierte Siedepunkt der Feier sein. Kaum zu überhören in der deutschen Radiolandschaft. Kein Wunder, bei dem inflationärem „Dance“-Geschrei im Refrain. Mitreißend ist das allemal – freiwillig, oder nicht. Der Gesang bei „Gloaria” klingt dagegen wie eine Verneigung an den ergrauten Tiger Tom Jones. Streicher und Chöre blasen den Song jedoch so unglaublich auf, dass selbst Björns Dixgårds und Gustaf Noréns obligatorische Schmerzensschreie diesen süß-klebrigen Puderzucker nicht mehr davon herunter blasen. „Crystal“ dagegen ist eine blitzblanke Schmonzette, die mit dem Vögleingezwitscher im Hintergrund an die Fab-Four-Vorbilder und ihrem wundervoll-spinnerten „White Album“ erinnert und erst hervorragend funktioniert, dann aber anscheinend von den Bee Gees sabotieren wird. Weitere Ausflüge lassen den 70er-Rebel-Rock bei „You Got Nothing On Me“ aufleben oder dem Soul dieser Dekade in „Mean Street“. Zum Retrorausch der Band passt auch die Aussage, sich von Filmscores des ebenfalls retroaffinen Quentin Tarantino inspirieren zu lassen. „The Shining“ klingt deshalb weniger wie ein klaustrophobische Hotelgestaltung von Kubrick, als viel mehr nach der Untermalung einer Uma Thurman-Lederdress-Verfolgungsjagd.

Doch so langsam dämmert es mir, warum Mando Diao sich mit dem letzten Verlegenheitsalbum unbedingt freikaufen wollten. Mit „ihren eigenen Händen“ haben sie danach ein Studio in Stockholm aufgebaut, wie Gustaf verrät, um mit eigener Narrenfreiheit und dem Selbstvertrauen, dass immer noch irgendwo zwischen Wolkendecke und Atmosphäre dümpelt, ans Werk zu gehen. Deshalb ist „Give Me Fire“ ein ambitioniertes Album geworden, auf dem vieles versucht wird und auch einiges gelingt. Es ist zwar kein runder Dauerbrenner, aber nicht zuletzt wegen dem Smash-Hit zumindest eine wackeres Strohfeuer geworden.

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 Sterereo Februar 21, 2009 um 13:18 Uhr

Hmm, Zwiespalt! Ich sehe diese schicke Flash-Scheibe dort rotieren und denke: „Mensch, dass doch mal nen netter Service“. Doch dann hält es an und amazon, itunes und musicload warten nur darauf angeklickt zu werden. Außerdem weiß der Kuckuck was für Infos über den Auftruf dieser Seite weiterversendet werden!

Was denken denn andere hier? Segen oder Fluch, dieses Ding da?

2 Hififi Februar 21, 2009 um 15:19 Uhr

Ich denke, dass das ruhig wieder weg kann.

3 Sterereo Februar 22, 2009 um 19:19 Uhr

Hab’s mal verlinkt.

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