Malcolm Middleton – 19.09.09, Gleis 22, Münster

von am 23. September 2009

in Feierlichkeiten

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Auf dem Weg zum Gleis raschelt bereits das Laub unter den Füßen, die Farben Braun und Orange verdrängen langsam aber sicher das Grün auf den Bäumen. Es gibt wohl keine bessere Jahreszeit, um dem Ex-Arab-Gitarristen auf einer Bühne zu begegnen. Obwohl sich an diesem Abend noch einmal der späte Sommer mit milden Nachttemperaturen durchsetzen kann, steckt dem ein oder anderen bereits der vor der Tür stehende Herbst in den Gliedern.

Steve Abel beginnt den Herbst-Marathon als erster Support und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Bei seinen wunderschön-düsteren, aber niemals depressiven Americana-Songs verfärben sich die Blätter draußen quasi in Zeitraffer. Kurz darauf bringt der Middleton-Mate The Pictish Trail aka. Johnny Lynch wieder ein bisschen Leben in den Electrofolk und damit auch in die Bude.

Kurz darauf startet Malcolm Middleton mit einem rauschendem „Crappo The Clown“ den Hauptteil des Abends. Soundtechnisch gestaltet sich sein Set etwas gewöhnungsbedürftig, da einerseits auf einen Bass verzichtet wird, und andererseits ein gutes Stück der elektronischen Parts aus der Konserve kommt. Der auf diese Weise zustande kommende Sound sorgt gelegentlich für eine latente Künstlichkeit, insbesondere bei den schnelleren Popnummern wie „Zero“ oder „A Brighter Beat“. Auch auf Jenny Reeves Violinenspiel muss der Zuhörer verzichten, was dem Ganzen zusätzlich etwas Wärme entzieht. Nichtsdestotrotz bewegt sich Middleton souverän sympathisch und gewohnt zurückhaltend durch eine alle Alben miteinbeziehende Setlist, und wenn man ehrlich ist, würde er – trotz, oder gerade wegen seiner nicht vorhandenen Entertainerqualitäten – alleine auf der Bühne auch schon ausreichen, um seine Songs zu berührenden kleinen Meisterwerken zu machen. Die Jahreszeit kommentiert er mit „Autumn“ auf seine ganz eigene Weise: Dem Hin- und Herschwanken zwischen Humor und Melancholie:

„Ah, Autumn

You fucking cunt

Keep bringing me memories that I dinnae want

How come you do it to me every time

Cold recollection of all my crimes“

Gerade live wird deutlich, dass Middleton kein emotionales Weichei ist, sondern jemand, der beständig versucht, seine Depressionen mit viel Witz und Ironie in etwas Positives zu verwandeln. Auch bei „Stay Close, Sit Tight“ bis über „Love Comes In Waves“, die nun wirklich alles andere als Partysongs sind, wirkt er nie sentimental oder gar wehleidig. Er lässt immer ein Hintertürchen offen, durch die der Sturz in den emotionalen Abgrund vermieden wird, auch wenn bei einigen Anwesenden ein paar Tränen verkniffen werden müssen. Für ein Augenzwinkern ist immer Zeit. Zur Zugabe kommt er noch einmal allein auf die Bühne, spielt Wünsche und erweckt schließlich den Eindruck, dass er irgendwie doch so etwas wie ein Entertainer ist. „Don’t Want To Sleep Tonight“ wird zum Abschluss noch einmal mit Band intoniert, und schließlich ist man auch mit dem Sound des Abends versöhnt, denn einen perfekteres Finale könnte es kaum geben. Wie heißt es in der letzten Strophe von „Autumn“:

„Well Autumn fuck you for you have no reason

All my life you’ve been my favourite season

Well I’m sick of the memories and the messages you bring

Piss off you’re chucked I’m gonna go out with spring“

Am Ende des Konzerts scheint mehr Laub auf dem Boden zu liegen als noch ein paar Stunden zuvor. Egal, soll der Herbst, die alte Sau, nur kommen. Uns kann er nicht mehr viel anhaben.

Foto: malcolmmiddleton.co.uk/

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