Madness – Total Madness

von am 26. September 2009

in Musik!

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London, Camden Town 1976: Im Norden der Themse-Metropole, ein paar Bahnstationen vom Zentrum entfernt, formierte sich um Graham McPherson – besser bekannt unter dem Namen Suggs – nach einigen Anläufen ein Sextett, das die Musik der Achtziger Jahre trotz eines gewissen Nischenstatus maßgeblich beeinflussen sollte. ‚Two-Tone‘ nannte sich die durchgeknallte Mischung aus Pop, Rock, Reggae, Ska und Punk. Madness wurden im Laufe der folgenden Dekade zu den erfolgreichsten Vertretern dieses Genres, auch wenn sie ihren Stil im Laufe der Zeit immer wieder modifizierten, popularisierten und einiges von ihrem anfänglichen Biss verloren. Camden Town entwickelte sich während der Siebziger Jahre aus einem kleinen Gemüse- und Trödelmarkt zu einem hippen Stadtteil für Künstler und Musiker. Immer mehr Händler und Kunden siedelten sich an, bis aus dem District ein großer Trödel- und Antiquitätenmarkt wurde, der noch heute Jahr für Jahr Millionen Touristen anlockt. An Madness‘ Musik lässt sich diese Entwicklung quasi auf musikalischer Ebene nachvollziehen. Während das Album „One Step Beyond“ die brennende Aufbruchsstimmung der Anfangstage mit relativ harten und direkten Ska-Sounds widerspiegelt, geht’s direkt anschließend in einen wild-durcheinanderwürfelten Hotchpotch aus Alltagsgeräuschen, Bläsersätzen und Kirmesmusik. Die Pop-Komponente nimmt von Album zu Album zu und erreicht auf „The Rise & Fall“ einen ersten Höhepunkt.

Madness waren und sind aber in erster Linie eine Singles-Band, und viele Stücke wurden zunächst auch ausschließlich als solche veröffentlicht. Hier liegt wohl die Hauptgrund für die zahlreichen Compilations, die in der Vergangenheit bereits auf den Markt geschmissen wurden: „Complete Madness“, „Ultimate Collection“, „The Heavy Heavy Hits“ oder „Divine Madness“ – um nur einige zu nennen – präsentierten in immer wieder neuen Aufmachungen die gleichen Songsequenzen: Es sind Dauerbrenner, die trotz ihrer Verhaftung im Sound der Achtziger immer wieder aufgelegt werden wollen und werden – nicht nur auf Retro-Parties. Auf der anderen Seite ist die Musik von Madness mittlerweile hundertfach durch alle Kanäle gedudelt worden, dass es schwierig wird, im Jahre 2009 durch den Vorhang aus Klischeevorstellungen von Ü-30-Parties, Musicalrevue und WDR 2-Hitparade vorbehaltlos das zu erkennen, was auch die vorliegende Compilation zu bieten hat: Hits, Hits und nochmal Hits. 23 perfekte Ska-Pop/Pop-Ska-Songs aus allen Schaffensperioden. Nach den guten Kritiken des letzten Albums „The Liberty of Norton Folgate” liefert “Total Madness” einen umfassenden Einblick in die Welt von Suggs und Co. Dazu gibt es die entsprechenden Videos auf einer separaten DVD, wodurch noch einmal zusätzlich unterstrichen wird, welchen Einfluss die Band auch auf ästhetischer Ebene in den vergangenen dreißig Jahren ausübte.

Madness sind unkaputtbar und ihre Songs längst losgelöst aus Raum und Zeit. Letztes Jahr brannte der Camden Canal Market weitgehend ab, und auch wenn viele behaupten, dass sich seit dem Wiederaufbau viel verändert habe, und einiges vom ursprünglichen Charme verloren gegangen sei, ist er dennoch wieder da: Als Publikumsmagnet im Norden von London. Und aus irgendeinem CD-Player an den Verkaufsständen wird „Night Boat To Cairo“ wahrscheinlich so laut aufgedreht wie dreißig Jahre zuvor:

Night boat to cairo !!…..

Its just gone noon

Half past monsoon

On the banks of the river nile

Here comes the boat

Only half-afloat

Oarsman grins a toothless smile

Only just one more

To this desolate shore

Last boat along the river nile

Doesnt seem to care

No more wind in his hair

As he reaches his last half mile

The oar snaps in his hand

Before he reaches dry land

But the sound doesn’t deafen his smile

Just pokes at wet sand

With an oar in his hand

Floats off down the river nile

Floats off down the river nile

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