M83 – Hurry Up, We’re Dreaming

von am 25. Oktober 2011

in Musik!

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Es war nur eine Frage der Zeit bis Anthony Gonzales das Format der Einzel-CD zu klein werden musste. „Hurry Up, We’re Dreaming“ ist bereits das sechste M83-Album und sollte die Synthpop-Equivalent zu „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ der Smashing Pumpkins, Pink Floyds „Ummagumma“ oder zum „White Album“ der Beatles werden: das endgültige, selbstbewusste Meisterwerk in Form eines Doppelalbums. Im Jahr 2011 ist dieses Format zwar schon leicht angestaubt, da sich Alben immer mehr in einzelne Songs aufzulösen beginnen, aber in der Welt von M83 schienen sowieso immer schon ganz eigene Naturgesetze zu gelten, weshalb es nur plausibel ist, den sich darin tummelnden Song-Schöpfungen endlich auch ein angemessen großes Biotop zur Entfaltung zur Verfügung zu stellen.

Pink-Floyd-Drummer-Nick-Mason erklärte in Interviews erst noch vor ein paar Wochen, warum sich seine Band so lange gegen die iTunes Freigabe gesträubt habe. Sie seien eben immer eine Album-Band gewesen. Sich nur ein paar Stücke, beispielsweise aus „The Dark Side Of The Moon“, runterzuladen, halte er für nicht nachvollziehbar, es ginge schließlich um die Grundidee. Alles andere ergäbe keinen Sinn. Ähnlich ist es bei M83, nur dass sich diese Einschränkung vor allem auf ästhetischer Ebene bewahrheitet. Aus dem Kontext gerissen und in den Shuffle-Modus geschleudert, zwischen den ganzen anderen „Otto-Normal“-Songs, die sich normalerweise auf dem MP3-Player ansammeln können, fallen Songs wie „Splendor“ oder „Echoes Of Mine“ definitiv auf wie nach Rosen duftende Einhörner inmitten eines Schweinetransporters. Wie Mini-Epen, die zusammen wieder ein Ganzes bilden, scheint jeder Ton eine tiefe Bedeutung zu haben, inklusive der damit verbundenen, verschrobenen Abgehobenheit. Inhaltlich bleibt es eher vage und verschwommen.

Vielleicht ist es bezeichnend, dass die 22 Stücke auf „Hurry Up, We’re Dreaming“ auch auf einer einzelnen CD Platz gefunden hätten, denn ein bisschen geht es hier auch um Angeberei. Gonzales bietet innerhalb dieses etwas zu groß geratenen Rahmens aber alles, was M83 bisher ausmachte. Hier ist alles nur noch eine Spur größenwahnsinniger, ausgedehnter und breitwändiger. Und dieses Mal ist auch Platz für „Intro“ (mit Gastsängerin Zola Jesus) und „Outro“. Neben den typischen, mit Grillenzirpen unterlegten Ambient-Kitsch-Instrumentals, bewegt sich Gonzales noch ein bisschen mehr in den Achtzigern als sonst. „Claudia Lewis“ und „Steve McQueen“ klingen gar nach Peter Gabriel, Paul Simon oder Sting nach einer Überdosis Zuckerwatte. „Year One, One UFO“ hört sich an als hätten My Bloody Valentine, Air und …Trail Of Dead gemeinsame Sache gemacht. Trotz aller anfänglicher Vorbehalte gibt es kaum ein Entkommen. Irgendwann, nach ein paar dieser Mini-Epen verfällt man dem Kitsch, mag den Bombast, lässt sich einsaugen in die künstliche Sagenwelt.

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