Lykke Li – Youth Novels

von Hififi am 3. September 2008

in Musik!

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Sie ist gerade mal 22 Jahre alt und doch schon so wichtig für die heutige Poplandschaft, die, was innovative Neuerungen betrifft – und gehemmt durch die Pharrells und Timbalands dieser Welt – schon so lang im melodiefreien Einheitsbrei verharrt. Dabei gibt es eindeutige Parallelen, denn so setzt auch Lykke Li auf spartanisch arrangierte, halbwegs tanzbare Rhythmen, die sich aber jederzeit, gestützt durch diesen glasklaren Gesang, einer ganz anderen Popgeneration angehörig fühlen.

Die der großen 80er-Diven, die es immer wieder schaffen (oder geschafft haben) sich neu zu entwerfen. Solch Ausnahmekünstlerinnen wie Kate Bush, oder die von Lykke Li selbst favorisierte Madonna, die wohl mehr als ein bisschen stolz gewesen wäre, wenn ihr Anfang der 90er ein Geniestreich wie „Little Bit“ gelungen wäre. Mittlerweile reicht es ihr ja anscheinend in Badeanzügen durch grellbunte Videos zu stöckeln und dabei auszusehen als sei sie in einen Malkasten gefallen. Also lieber Kate Bush, und z.B. „Breaking It Up“ mit seinem etwas hysterischen Grundtenor kann mit einem „Running Up The Hill“ spielend mithalten. Aber auch ein „I’m Good, I’m Gone“, oder das eben erwähnte „Little Bit“ hätten bereits vor 20 Jahren problemlos die Tanzflächen gefüllt und irgendwie scheint die Zeit wieder reif zu sein für ein wenig angestaubt erscheinende Dancefloor-Entwürfe, die dabei allerdings nie die Schwelle für ausladende Tanzbewegungen überschreiten. Die Schwedin bezeichnet sich als Melancholikerin und das packt sie in ihre Songs. So schlagen „Time Flies“ und „Window Blues“ voll in diese Kerbe und beschließen passenderweise dieses seltsame Debüt. Als absoluten Anspieltipp soll dann auch „Time Flies“ herhalten, denn so hoch wie sie hier gerne singen würde, kommt sie gar nicht und so wirkt ihr gehauchter Gesang noch viel fragiler, die genuschelten Worte noch trauriger. Ein verhalltes Klavier und gelegentliche Paukenschläge müssen reichen, bis sich zum Ende ein knarzender Kontrabass einmischt. Bei aller zeitlosen Schönheit des ein oder anderen Liedes, beweist „Youth Novels“ doch so einige Ecken und Kanten, die ganz geschickt hinter der allzu süßen Zuckerwatte eines Popalbums versteckt zu sein scheinen, was ich jetzt als absolut positiv verstanden wissen möchte und der zeitlosen Produktion zugute schreibe. Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt, denn längst nicht alle 14 Songs halten dasselbe Niveau der schon erwähnten Songs und so muss sich der geneigte Hörer doch mit so einigen Lücken herumschlagen.

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1 Sterereo September 3, 2008 um 16:14 Uhr

Das klingt wirklich zu schön und es scheint so als seist du „just a little bit in love“ with her. 😉 Werde da auch mal reinhören, mal schauen ob sowas mir mittlerweile gefällt?!

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