Luxuslärm – 1000 km bis zum Meer

von LenzMan am 8. Oktober 2008

in Musik!

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Luxuslärm, was ist das? Ich würde es als ein Marketing-Konzept zum größtmöglichen Absatz von physischen oder digitalen Tonträgern beschreiben. Was das nun genau heißt, versuche ich gleich zu erklären. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss dann allerdings jeder für sich selbst herausfinden. Ich habe mir meine Meinung gebildet, werde aber wohl nicht verhindern können, dass hier die neuen deutschen Pop-Rock-Sternchen „geboren wurden“.

Ein kurzer geschichtlicher Exkurs: Luxuslärm waren früher, bzw. sind teilweise immer noch „Blue Cinnamon“, eine Cover-Band im klassischen Sinne, die auf Supermarkteröffnungen, Dorfdiskos und Ähnlichem spielt/e. Doch eines Tages trafen sie Götz von Sydow, der sie so fantastisch fand, dass er sie dazu überredete, mal eigene Songs zu schreiben. Anstatt schreiben zu lassen, lief es dann aber wohl so, dass der Götz einfach (fast) alle Songs für die neu entstandenen Luxuslärm im Alleingang textete, wie im Booklet ihres Debüts „ 1000 km bis zum Meer“ zu lesen ist.

Götz von Sydow, den Namen hab ich doch schon mal gehört? Stimmt, wenn er nicht damit beschäftigt ist, Coverbands aus dem schönen Sauerland unter seine Fittiche zu nehmen, fungiert er als Autor und Produzent von Musikern wie Laith Al-Deen, Peter Maffay oder Yvonne Catterfeld.

Es ist vielleicht ein wenig naiv zu hoffen, dass das nicht die Zukunft der Rock-Musik ist, aber Bands, denen die Lieder auf den Leib geschrieben werden, kann ich beim besten Willen nicht als eigenständige Künstler ernst nehmen. Wobei diese Damen und Herren musikalisch bestimmt nicht wenig auf dem Kasten haben und vor allem die Stimme von Jini Meyer begeistern kann. Ich muss ja eingestehen, dass einige Songs doch wirklich nett arrangiert sind, die leicht eingängige Melodien, die das Zuhören nicht unbedingt schwer machen und sich auch gerne als Ohrwurm manifestieren. Radio- und singletaugliche Kompositionen, wie „1000km bis zum Meer“ und die Herz-Schmerz-Ballade „Unsterblich“ sind zu Genüge zu finden, aber irgendwie ist auch nichts wirklich neu oder überraschend. Die Texte haben mich zu keiner Zeit wirklich angesprochen. Soviel Schmerz, Liebe und Sehnsucht auf einmal sind doch irgendwie zu viel des Guten.

Vollkommen deplatziert wirken auch die Pseudo-NuMetal-Riffs à la Evanescence, wie beim Opener oder bei „Alles wird gut“, da sie einfach nur aufgesetzt daher kommen, wenn nicht sogar peinlich sind. Eine Vielzahl an Hörern werden Luxuslärm mit Sicherheit finden, denen das dann auch egal ist, wer die Songs im Endeffekt geschrieben hat, was ja auch vollkommen in Ordnung ist. Es bleibt die Frage, was passiert, wenn der Erfolg langfristig ausbleibt? Werden Luxuslärm dann genauso von der Bildfläche verschwinden, wie der Götz damals nach seiner misslungenen Solo-Karriere?

Hoffen wir mal, dass sie nicht dem 15-Minuten-Ruhm-Prinzip zum Opfer fallen, sondern auch mal anfangen dürfen, eigene Musik zu schreiben. Wer weiß, was dabei noch rumkommen kann.

Bleibt festzuhalten, dass ich diese Platte Fans von Silbermond und Juli uneingeschränkt empfehlen kann, denn wirkliche Totalausfälle sucht man vergebens. Ich für meinen Teil, widme mich dann allerdings doch lieber ehrlicher Musik als konstruiertem Luxuslärm.

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Oktober 8, 2008 um 13:56 Uhr

Danke für die Rezi! Ich habe neulich eine TV-Reklame für Band und Album gesehen und mich gefragt: was ist das? was soll das? Ist da eine Casting-Band an mir vorbeigegangen? Als Natural Born Zapper kann das doch nicht sein!?

Jetzt sind die Fragen beantwortet.

2 Sterereo Oktober 9, 2008 um 12:16 Uhr

Da gibt’s schon Fernsehwerbung zu? Das heißt meistens nichts gutes! „Konstruierter Luxuslärm“, das klingt fast wie Metal for the Masses. Bin mal gespannt, was von denen noch zu hören ist in nächster Zeit.

3 LenzMan Oktober 12, 2008 um 13:14 Uhr

Kein Prob, hab ich doch gern gemacht;)!… Dass die schon imFernsehen ihr Unwesen treiben wußt ich auch noch nicht! Allerdings sind sie mir in den letzten Tagen schon einige Male im Radio begegnet… wie zu erwarten war mit dem Titel-Track!

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