Luna – Best of (+ Bonus)

von am 26. Dezember 2006

in Musik!

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Luna saßen immer zwischen allen Stühlen. Gegründet von Leuten, denen man hoch anrechnen muss, uns geschmackssicher durch die nicht immer geschmackvollen Achtziger geführt zu haben: GALAXIE 500, CHILLS und FEELIES waren echte Alternativen, auch unter den Alternativen. Schnell war die Schublade „AntiRock“ gefunden. Wie fast alle Indiebands der Achtziger orientierte man sich an THE VELVET UNDERGROUND, allerdings ließ man jegliches selbstverliebtes „Arty-Farty“- Gehabe weg, und konzentrierte sich auf das Wichtigste: Die Musik.

Als kleine Indie-Supergroup gehen LUNA den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. „Lunapark“ erscheint 1992 und klingt noch ein bisschen unentschlossen, obgleich „“Anesthesia“ und „Slide“ (bei dem Mercury Revs Grasshopper Gitarre eine seiner blubbernden Gitarrenparts beisteuert) auch heute keinen Tag gealtert zu sein scheinen.

Dean Warehams Gesang ist alles andere als spektakulär, sondern mehr ein sanftes, uncooles Genäsel, umrahmt von ebenso uncool-perlenden Gitarren.

Mit dem ’94er Album „Bewitched“ folgt dann der erste Geniestreich. Dieser erschließt sich nicht sofort, sondern es braucht einige Durchgänge, bis man weiß, dass diese kleinen unscheinbaren Gitarrenpopsongs einen das ganze Leben begleiten werden: „Tiger Lily“, „California (All The Way)“ und vor allem das Titelstück (das leider auf dieser Compilation nicht vertreten ist) sind zärtlich-kauzige Liebeserklärungen an das Leben. Gastauftritte von ex-VU-Gitarrist Sterling Morrison und Tom Verlaine (ex-TELEVISION) führen die Runde wieder zurück an ihren Ursprung.

Alle folgenden Alben bleiben mehr oder weniger auf diesem Level. Es wird wenig am Konzept verändert: Insgesamt üben sich LUNA in faszinierender Zurückhaltung. Keiner der Songs drängt sich auf. Es gibt keine penetrant-hervorstechenden Features. Alles ist unauffällig, beinahe konventionell arrangiert. Im schnellen Vorbeigehen können Luna schnell als langweilig abgestempelt werden. Ihre Musik braucht etwas Zeit um zu wirken. Das ist ihre große Stärke: Hat man sich im Kopf erst einmal von den üblichen Rock & Pop-Klischees gelöst, lässt man sich wirklich darauf ein, hört hin, dann machen Luna süchtig. Hinter den konventionellen Songstrukturen blitzen häufig kleine Schrägheiten auf: „Lost In Space“s sphärisches Leuchten im Hintergrund, das ironische Geschräbbel im Zentrum von „23 Minutes In Brussels“, oder die krachenden Feedback-Ausraster mit anschließendem Dicke-Eier-Bass in „Ihop“ sind wie kleine Augenzwinker an den Hörer: „Du verstehst schon, wie’s gemeint ist?!“

Zu unspektakulär für die Indie-Kids, zu merkwürdig und verschroben für den gemeinen Rolling Stone-Leser, waren LUNA zumeist auf ihre Rolle als Kritikerlieblinge festgelegt, und haben nie großes Aufsehen erregt.

„Best Of LUNA“ versammelt 18 Songs aus (fast) allen Schaffensperioden der Band. Als Bonus gibt es eine weitere CD mit Coverversionen, auf denen LUNA 17 ihrer Lieblingssongs zu den ihren machen: „Sweet Child O‘ Mine“ wird zum liebevollen Gesäusel, Kraftwerks „Neon Lights“ zur spröden Gitarrenmelancholie. „Ride Into The Sun“ zeigt noch einmal deutlich, wo die Band herkommt, und John Lennons „Jealous Guy“ klingt bedauender denn je.

Luna sind sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wenn sie dich erst einmal gepackt haben, dann bist du verzaubert. Keine Chance da wieder raus zu kommen.

Kleiner Tost, wenn’s dich erwischt hat: Leute, die LUNA hören, können keine schlechten Menschen sein…

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