Los Campesinos! – We Are Beautiful, We Are Doomed

von Sterereo am 4. November 2008

in Musik!

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Andere hätten sich da quer gestellt. Eine junge Band, nein, siebenköpfiges Kollektiv aus Cardiffer Studenten möchte nur fünf Monate nach dem achtvollen Debüt direkt ein zweites Album auf den Markt bringen. Dabei sollte es nur eine EP werden, doch die Session war zu fruchtbar, die nächste Veröffentlichung musste her. „Hold on Now, Youngster…“ – möchte man rufen. Zum Glück hat’s keiner getan.

Außer den lebendigen Walisern selbst – auf dem ersten Albumtitel. Zwar hätten sie daraus noch eine schöne Radio-Single aus der stürmischen Tanzaufforderungen „You, Me, Dancing!“ herausquetschen können, doch die Eltern drohten den kapitalistischen Gedanken der Gören paradoxer Weise mit Enterbung. Auch Leumund-Label Wichita stimmt in den Tenor mit ein. Dann lieber raus mit der 11-tägigen Aufnahmesession mit John Goodmanson (Blonde Redhead, Hot Hot Heat). Ein rosemariescher Teufelspakt, der „We Are Beautiful, We Are Doomed“ hervorbringt – fast selbstverständlich in vorlimitierter Auflage. Also ewiges Fegefeuer? Nein, eher feurige Indie-Pop-Hymnen, so frisch und unverbraucht, sprühend vor Kreativität. Hier passiert etwas, was mich schon so für Broken Social Scene schwärmen lies.

Es erklingen wärmende Melodien, bevor in bedrohliche Synthies und Bassläufe so jugendlich überheblich gedroht wird, wie zwischen Sharks und Jets: „You said, „He got his teeth fixed“ I’m gonna break them“. Eines der häufig belauschten Zwiegespräche zwischen Sängerin Aleksandra und einem manchmal hastig rappenden Gereth. Mit Nachnahmen heißen sie eh alle Campesinos. Zwischen tanzbar („The End of the Asterisk“) und ruhelos hektisch („Way to Make it Through the Wall“) dreht sich das diabolische Karussell. Beginnt es mal ruhiger, dann nur anfangs („You’ll Need Those Fingers For Crossing“), bevor die Gitarren losjaulen und letztendlich alles erneut Kopf steht, doch dann von himmlischen Xylofonklängen und Geigen wolkenweich aufgefangen. Eine faustische Katharsis im schillerischten Drama.

Bleibt die Gretchenfrage: „Nun sagt, wie habt ihr’s mit den üblichen Veröffentlichungskonsenz? Ihr seid eine herzlich gute Band, allein ich glaub, ihr haltet nicht viel davon.“ Man möchte diesmal rufen: „Zum Glück!“

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