Los Campesinos! – Luxor Köln, 10.11.08

von Sterereo am 11. November 2008

in Feierlichkeiten

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Trübe fügt sich der dunkle Night-Liner in den grauen Kölner-Abend. Von jetzt an nur noch wenige Stunden, dann bricht hier das pastellfarbene Jecken-Feuerwerk los und die fünfte Jahreszeit wird mit buntem Konfetti-Feuerwerk begrüßt.

Geradezu unscheinbar dagegen die Busladung von drei Bands aus dem Hause Wichita. Die Labelkumpels Los Campesinos!, Sky Larkin und Lovvers touren mit dem Motto „Quit yr job, get tattoos“ durchs europäische Festland und verpassen dabei knapp den Kölner Karneval. Dafür will das Festkomitee aus eigener Kraft und ohne Fanfaren für Festtagsstimmung sorgen.

Damit beginnen Lovvers etwas zu bemüht. Auf die Plätze fertig los: Hauptsache kurz und schmerzvoll. Das klingt nach schnodderiger Post-Punk-Attetüde und sieht auch so aus, als sich Sänger Shaun Hencher durchs sich in Sicherheit bringende Luxor-Publikum zirkelt. Wir haben ja bekanntlich keine Zeit, dementsprechend ist der Spuk bald genug wieder vorbei.

Frisch bei Wichita untergekommen sind Sky Larkin. Eine dreiköpfige Band aus dem britischen Leeds. Katie Harkin singt mit schöner Mädchenstimmen auf ihren Zehenspitzen stehend, Doug Adams spielt einen soliden Bass und Drummer Nestor Matthews wird auf der myspace als Duracell-Häschen bezeichneten. Doch der Vergleich hinkt. Die knuffigen Batterie-Hasen schlagen nämlich nur monoton auf die Trommel ein und verlieren – auch wenn es die Werbung uns vergessen lassen möchte – irgendwann die Energie. Dieser Prügelknabe dort zieht sein aberwitziges Tempo jedoch von der ersten bis zur letzten Minute durch. Mein persönlicher Held der Arbeit. Da ist Herzblut im Spiel. Und alles zusammen hört sich auch noch nach tollem, tanzbaren Indie-Rock an. Unbedingt ans Debüt Anfang nächsten Jahres denken.

Übrigens dort aufgenommen, wo auch Los Campesinos! im Sommer innerhalb weniger Tage „We Are Beautiful, We Are Doomed“ eintüteten und nur nach einer guten handvoll Monaten nach „Hold On Youngster…“ herausbrachten. Sieben ehemalige Studenten, die jetzt die Freiheit des Künstlerlebens genießen, wie mir Harriet und Ellen vorher bestätigten. Spontan und frivol, so bezeichnen sie sich und treffen damit zumindest bei mir einen endorphinerelevanten Nerv. Zwar weniger stürmisch wie noch auf dem Melt!, dafür mit mehr Verspielern kleinerer Art (zu verschmerzen) aber immer noch so charmant-chaotisch (zum verlieben) wie zuletzt. Wenn Glockenspiel, Violine hinter süßen Melodien und im nächsten Moment treibenden Gitarren herhechten, bin ich selig. Die stadiontauglich-frechen Texte („there is future in fucking, but no fucking future”) und Tanzangriffe (“You! Me! Dancing!“) runden das erprobte Konzept ab. Doch so wirklich wachsen Aleksandra, Gareth und Tom an diesem Abend nur einmal über sich hinaus, steigen dann aber wieder von den Monitorboxen und fast direkt in den Bus. Zugabe gibt’s leider keine. Dafür wieder Karneval.

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