Locas in Love – Saurus

von Benjamin am 11. Juli 2007

in Musik!

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Etwas unglaubliches passiert: ein Freund, ein wandelnde Musiklexikon, kauft sich das neue Locas in Love Machwerk Saurus. Ich hätte mich sonst gar nicht getraut, in das Album reinzuhören, denn Locas in Love sind Karpatenhund bzw. mit Karpatenhund versuchen Locas in Love und die befreundete Sängerin Claire radiotaugliche Pop-Rocksongs mit einfachen deutschen Texten zu machen, was einfach grausam ist. Aber Locas in Love sind sozusagen der Kulturwissenschaft studierende Bruder der 16jährigen Gesamtschülerin Karpatenhund.

Auf Saurus sind wahre deutschsprachige Indie-Pop-Perlen versammelt, die vom Produzenten Peter Kadis (Interpol, The National u.a.) abgemischt wurden. Das Album hört sich an wie eine einzige Referenz an musikalische Größen: Honeymoon is over (If you want) spielt im Titel an Yoko Onos und John Lennons War is over (if you want it) an, im Song selbst spielt übrigens Malcolm Middleton zum Gesang von Björn Sonnenberg und Stephanie Schrank Gitarre. Rosa Mond ist ein Folksong in bester Singer-Songwritertradition, der Titel verweist ja schon auf Nick Drake. Der gelegentlich teilnahmslose, lakonische Gesang verweist auf die Hamburger Schule. Auch werden in den Texten die schrulligen Begegnungen mit anderen Menschen und deren Eigenheiten beschrieben, wie es Tocotronic und Element of Crime ähnlich liebevoll tun.

Ein Highlight neben vielen ist der Song Mabuse: Stephanie Schrank singt von „ihren“ (also fiktiven) linkspolitischen Aktionen, um sich dann mit den Worten „Ich war es nicht, es war Mabuse, er benutzte mein Gehirn“ zu entschuldigen. Da ist er der Kulturwissenschaftler, ständig zwischen Politik, Alltag, Trägheit, Kultur und Aktion pendelnd. „High Pain Drifter“, ein Song der die Erinnerung an Nachmittage voller Melancholie kurz vor einem Beziehungsende, besticht durch eine gepfiffenen Melodie. „(How I Wrote) I get lonesome“ schließt sich mit einer rockigen, countrybeeinflussten Instrumentierung und einem noisigen Ende an.

Die Texte sind nachdenklich, ohne kopflastig zu sein, gefühlvoll, ohne schwülstig zu wirken, politisch, ohne platte Parolen. Musikalisch denkt man an Element of Crime, Arab Strap, The Notwist (zu Neon Golden Zeiten) usw. Da diese Bands ja auch beeinflusst wurden, sind wir u.a. wieder bei den in den Songtiteln zitierten Lennon, Drake usw.

Ein tolles Album!

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{ 4 Kommentare… read them below or add one }

1 Sterereo Juli 11, 2007 um 12:02 Uhr

Wandelndes Musiklexikon? Nico? Seiner Last-FM Playlist nach zu urteilen: ja. Findes interessant, dass nach dem Kapatenhund-Veriss hier überhaupt in das Album reingehört wurde. Aber anscheinend hats sich gelohnt.

Bleibt nurnoch die Frage, wofür brauchen die Jungs Claire, wenn man schon gute Alben produziert, mit recht bekannten Gastmusikern, hat es doch was von Egomanie die Geldkuh zu reiten…

Eigentlich will ich hier auch garkeine Ausverkauf-Buh!-Diskussion starten…aber wer weiß welche ehrenhaften Motive bei dem Entschluss Kaptenhunde ins Leben zu rufen eine Rolle gespielt haben…macht das Unterfangen in meinen Augen zumindest dubios…

2 RockinBen Juli 11, 2007 um 13:13 Uhr

Naja, Locas in Love haben sich mit Claire zusammengetan und Karpatenhund gegründet, mit dem Versuch radiotaugliche Songs zu schreiben. Und ja: Karpatenhund werden auf Eins Live im Tagesprogramm gespielt und Locas in Love abends im Heimatkult und wie die guten Eins Live-Sendungen alle heißen.
Aber einen Radio-Hit zu landen mit der Art Musik, wie sie Locas in Love machen, ist in Deutschland ja fast unmöglich. Leider!

3 Honk Juli 12, 2007 um 09:42 Uhr

Schöne Rezension, nur eine kleine unbedeutende Ungenauigkeit: das wandelnde Musiklexikon wurde von mir *stolz auf die Schulter klopf* auf Locas In Love aufmerksam gemacht. Egal, hauptsache ich hab jetzt ein paar neue „Fankollegen“ aufgetan.

4 RockinBen Juli 12, 2007 um 10:33 Uhr

Dann gebührt Dir Dank! Danke, Honk!

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