Liars – Sisterworld

von Benjamin am 29. März 2010

in Musik!

Post image for Liars – Sisterworld

Ist das wirklich die Sisterworld? Oder vielleicht doch eher die der schrecklichen Tanten und Onkels? Man braucht auf jeden Fall einen guten Satz Extranerven um die Horrorwelt der Dissonanzen auf Liars neuem Album „Sisterworld“ durchzustehen. Wo auf anderen Alben der Psychedelik immer der Raum des Rückzugs offen bleibt (The Flaming Lips z.B.) und die zerstörten Melodien nicht so eine gesättigte Bleischwere tragen, sind sie bei den Liars unerbittlich. Die Haltung, die der Sound rüberbringt ist gruselig und irgendwie drogengeschwängert, auf jeden Fall sehr unangenehm. So unangenehm, dass man nicht von einer objektiven Ernsthaftigkeit sprechen kann sondern eher von „fertigmachen“. Dieses Album macht einen fertig und zwar ohne Hoffnungsschimmer am Schluss. Hier werden Soundassoziationen geknüpft, die sich kaum zurückverfolgen lassen außer bis zu dem Punkt, an dem man denkt, die Liars wollten um Teufel komm raus verrückt und abgefahren klingen – die Gitarren in „Scarecrows On A Killer Slant“ wirken eher wie die Rockyhorrorpictureshowianisierung von Rockgitarren, allerdings ohne den Humor. Traumartig lässt sich vielleicht noch am positivsten sagen, aber auf Erden ist diese Platte sicherlich nicht entstanden. Kein Akkord bleibt „gerade“, keine Melodie unzerstört. Dieses Spiel kennt man aus den 90er Jahren von dEUS, die auf ihren ersten Alben ein ähnliches Konzept verfolgten. Melodie anfangen, Hoffnung spenden, zerstören und kaputt machen. Aber bei dEUS war der Sound nicht so kaputt, die Liars sind in einer Art Trance, die kaum eine Rückkopplung auf die Erde zulässt. Daran kann auch das um einen Tucken optimistischere „Too Much, Too Much“ am Ende nichts mehr ändern.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: