Lethargy – Interview

von Hififi am 27. Dezember 2008

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Ja, da laufen schon einige E-Mails zusammen, wenn einer wie Andrew von Lethargy nach einer ausgedehnten UK-Tour zur Neuerscheinung „Purification“ wieder zurück zum Bürosessel findet. Darunter auch ein Fragenkatalog unseres Spitzenredakteurs Hififi, knallhart vom Bundestrojaner abgefangen und hier veröffentlicht:

Viel ist im Internet nicht über euch raus zu bekommen. Mögt ihr mir kurz erzählen, wie ihr euch gefunden habt.

Wir formierten uns 2000 zur Schulzeit, als Jugendfreunde. Das Nest in dem wir aufgewachsen sind, ist sehr überschaubar und heißt Neath.

Seht ihr euch mehr als klassische Metal-Band oder eher der frühen Tradition des Grunge verpflichtet?

Ich würde nicht sagen, dass wir eine Metal-Band sind. Es gibt Einflüsse der unterschiedlichsten Genres, aber ich denke es hängt davon ab, was du als klassischen Metal einordnest. In den 70ern waren „Zeppelin“ und „Sabbath“ Metal, heute gibt es so viele Sub-Genres beim Metal, dass die Linien verschwimmen. Wir sind teilweise mit der Grungezeit verwurzelt und ich denke, das spiegelt sich in unserer Musik wieder. Allerdings will ich uns nicht in eine Schublade stecken. Als Band hören wir alles, von Blues bis Soul über Motown zum Metal.

Die obligatorische Ballade „Fragile Crystal Dreams“ auf „Purification“ ließe aber sogar eher auf einen Hard Rock-Background schließen?

Ja, natürlich. Wie gesagt, wir sind eine Band, die möglichst viele gute Musik einsaugen möchte, ganz egal welcher Art. Solange die Musik gut geschrieben ist, also die Texte voller Kraft und Seele sind. Ich denke es ist wichtig das Album von allen Seiten zu beleuchten. Die Songs “Fragile Crystal Dream” und “I See Man’s End In his Construction” zeigen, dass wir mehr als nur einen schroffen Sound liefern können. Das bringt dem Hörer mehr.

Seid ihr der Meinung, dass wirklich gute, neue Musik nur in der Kenntnisnahme der Vergangenheit entstehen kann, man also jederzeit über den Tellerrand sehen sollte?

Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, was in der Vergangenheit passiert ist, aber nicht darin zu leben. Heutige und neue Musik ist aus der existierenden Musik entstanden, dass ist bewiesen. Aber es ist wichtig die Grenzen immer weiter zu verschieben und zu experimentieren, damit die Dinge frisch bleiben.

Das Ende von „I See Man’s End In His Construction“ klingt für mich ein wenig nach Pink Floyd. Spielt Prog für euch eine große Rolle?

Ich denke progressive Musik spielt eine Rolle, wie jede andere auch. Gerade Pink Floyd sind eine dieser Bands, die auch die kommenden Generationen beeinflussen wird.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mir solche Parts wie in „I See Man’s End In His Construction“ häufiger wünschen würde, dann könntet ihr euch ein wenig von den gängigen Rock-Konventionen absetzen, ohne dabei gleich Prog zu sein. Außerdem sind sie originell und erfrischend.

Es freut mich, dass dir dieser Aspekt unserer Musik gefällt. Wir hätten sogar noch mehr Material wie dieses einfließen lassen können, doch die Songs die wir für das Album aufgenommen haben waren alle mehr riff-basierend. Wie auch immer, dass ist ein Feld das wir auf jeden Fall in der Zukunft noch ausbauen werden. Wir sind Freunde von komplexeren und ausdrucksstarken Passagen. Doch manchmal denke ich, dass viele Prog-Bands zu maßlos sind und das Ziel aus den Augen verlieren.

Ich höre sehr viel frühe Soundgarden auf „Purification“ heraus. Was treibt eine junge Band dazu, die Grunge-Historie wieder aufleben zu lassen?

Kein Zweifel, Soundgarden waren einer der großartigsten Bands der 90er Jahre und aller Zeiten. Ich würde nicht sagen, dass wir versuchen die Grunge-Hisorie wiederzubeleben, denn was dort in Seattle passierte war aufrichtig und etwas einzigartiges. Obwohl die Grunge-Ära mit Drogen und Dunkelheit verbunden ist, ist sie aus echter Musik und der Leidenschaft geboren, ganz im Gegensatz zum übersättigten 80er Glam-Markt. Jede Band wird ihre Einflüsse haben und es hat sich eben so ergeben, dass unsere mit der Grunge-Szene verbunden sind. Das liegt wohl auch daran, dass es einfach großartige Bands waren.

Wenn ihr euch an Alben wie „Badmotorfinger“ orientiert, was sagt ihr dann zu „Superunknown“ oder gar Bands wie Audioslave?

„Superunkown“ ist auch so ein Klassiker, keine Frage. Wie alle Alben von Alice in Chains oder Nirvana oder wer auch immer aus der damaligen Szene. Es war heißer Scheiß und hat eine ganze Generation geformt und das Nachbeben ist immer noch hier und da zu spüren und wird es wohl auch immer sein. Es spielte sich eben in den späten 80er und den 90ern ab, als es am verbreitetsten war. Ich denke Grunge ist ein klassisches Genre, das ein Erbe hinterlässt. So wie es die Beatles in den 60ern und „Zep“ in den 70ern getan haben, manche Bands repräsentieren den Sound einer bestimmten Zeit. In den 90ern war es Grunge

Wie sieht es mit der Musikszene in Wales aus? Mir selber fallen spontan nur die Super Furry Animals ein und vielleicht Aphex Twin.

Es gibt keine echte Musikszene in Wales, mit der wir verbunden sind. Es gibt einige Bands, die sich zusammenraufen und den selben Stiefel Musik spielen, aber dass ist nicht unser Ding. In der Vergangenheit hat Wales jedoch einige hochkarätige Bands hervorgebracht, die gute Musik veröffentlicht haben. Das ist gar nicht schlecht, für so ein kleines Land – hier muss wohl irgendwas im Wasser sein! (Smiley)

So ein Rock-Stereotyp wäre es ja wieder, wenn der Sänger die Texte schreibt, am besten gleich noch die Musik dazu und allerhöchsten der Lead-Gitarrist ein Wörtchen mitreden darf. Ist das bei euch anders?

Da wir drei Lead-Sänger haben, verteilt sich das alles. Marc und ich schreiben die meisten Texte, aber die Musik kommt von allen. Es ist wichtig, dass jeder gleich viel dazu gibt.

Im Waschzettel habe ich ´was von den Manic Street Preachers gelesen, nach denen ihr jetzt aber nicht wirklich klingt. Wenn ich nicht irre, sind sie Landsleute von euch. Verbindet euch außerhalb der Musik eine gewisse Ablehnung der Machtverhältnisse im UK?

Die „Manics“ sind Landsleute und ein großer Einfluss von uns. Ich denke wenn du seit Ewigkeiten ein Fan bist, orientierst du dich hauptsächlich an den musikalischen Dingen, so wie sich ihr Sound über die Jahre weiter entwickelt hat. Aber textlich sind sie tatsächliche eine sehr wichtige Band. Die „Manics“ sind politisch und unglaublich scharfsinnig und haben genau unsere Sprache gesprochen, als wir ausgewachsen sind. Das passiert nicht sehr häufig, dass eine bestimmte Band daherkommt und absoluten Sinn ergibt – die „Manics“ sind eine solche Band, mehr als einfach nur Musik. Eine Macht für sich selbst.

Inwiefern spielt Politik in euren Texten eine Rolle? Was sind so die Hauptthemen eurer Lyrics?

Politik spielt eine Rolle in unseren Lyrics, direkt oder indirekt, dass hängt davon ab, wie du sie analysieren möchtest. Es ist recht schwierig damit umzugehen, da es so weitläufig ist und niemand alles wissen kann. Als Band sind wir oppositionell manchen Punkten gegenüber, ohne uns als rechts oder links einzustufen. Die Politik ist ein sehr graues und schattiges Feld und unsere Texte stehen für jeden zur Debatte, der es möchte. Es ist wichtig seinen Standpunkt nicht aufzudrängen oder irgendwas zu predigen. Auf Purification haben wir über die Missbrauch von Werbung gesprochen; Die fehlende Menschlichkeit und die Degradierung des Respekts für die Gesellschaft und Umgebung, nur als Beispiel. Das sind Themen, die uns wichtig sind und eine Idee geben sollen, worum es bei uns geht. Aber um hier ins Detail zu gehen, bräuchten wir ein zweites Interview. Vielleicht ein anderes Mal? (Smiley)

Ich stelle mir eure Musik live sehr energetisch vor. Seid ihr eine klassische Live-Band, die die Studioarbeit als Mittel zum Zweck sieht?

Ja, ich halte uns gerne für sehr energisch auf der Bühne. Es ist wichtig eine gute Show zu zeigen. Allerdings mögen wir auch das Studio, um ehrlich zu sein. Es ist schön zu sehen, wie die Arbeit Früchte trägt. Leider hat uns in Deutschland bisher noch niemand gebucht. Aber wenn du uns buchen möchtes, dann kommen wir! (Smiley)

Auf den Promo-Fotos schaut ihr alle immer etwas grimmig, seht dabei aber ein wenig wie die frühen Led Zeppelin aus (natürlich ohne Dread Locks). Das passt nicht richtig zusammen, dieses grimmig dreinschauen ist doch eigentlich typisches Metal-Gepose, trotzdem seht ihr hippiesk aus. Eigentlich bedeutet das doch: Scheiß aufs Image, wir machen unser eigenes Ding, oder? Ich glaube, ihr kokettiert einfach ganz gern mit den verschieden Klischees… Wäre das möglich?

Was du siehst, ist was du kriegst – so ziehen wir uns nun mal an. Frühe „Zep“, ähm, Dankeschön. Ich denke jeder kann uns so interpretieren, wie er will. Nach dem was du sagst, sind wir wohl wirklich etwas paradox.

Fotos: Band-Myspace

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Dezember 28, 2008 um 17:10 Uhr

Gelungenes Interview!

2 Sterereo Dezember 29, 2008 um 19:57 Uhr

Kann ich so nur unterstreichen! Und das unter erschwerten Bedingungen, war ja immerhin ein Mailer.

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