Lawrence Arabia – Chant Darling

von Pynchon am 9. Februar 2010

in Musik!

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Schon sein Pseudonym weist den in Christchurch geborenen Neuseeländer James Milne als mutmaßlichen Nostalgiker und Liebhaber der 60´s Kultur aus – David Leans berühmtes Epos über den britischen Streiter für die Unabhängigkeit der Araber lässt grüßen.

Ohne Lawrence Arabia, der schon Okkervil River auf einer Tour begleitete, mit dem Vergleich erdrücken zu wollen, muss ich bei dem Opener zu seinem Album „Chant Darling“ doch unwillkürlich an John Lennon denken: „Look like a fool“ ist ein melancholisches, in harmonischen Klängen schwelgendes Stück Popmusik, das sofort die Richtung vorgibt, der Lawrence Arabia sich verschrieben hat: eine verträumte Hommage an die schwerelosen, von Idealen geprägten sechziger Jahre, bevor die Ernüchterung einsetzte und die Hippies wieder ins Establishment zurückkehrten.

„The Undesirables“ hat in seiner Verträumtheit beinahe schon etwas ätherisches, während „Apple Pie Bed“ mit einem unbeschwerten, im Chor angestimmten Refrain aufwartet, der jede Melancholie vertreibt. Bisweilen kommt James Milnes Stimme, so etwa in „Auckland CBD“, wie aus einer großen Entfernung, vielleicht wie aus einer vergangenen Zeit. Überhaupt kann ich mir zu Lawrence Arabias Klängen irgendwie gar keinen modernen Tanz vorstellen – man müsste auf den Tanzflächen im Grunde wieder die Tänze unserer Elterngeneration reanimieren, mit viel Hüft- und Armschwung-Einsatz. Für eine Revival-Party ist „Chant Darling“ ganz sicher ein Volltreffer!

Im Gegensatz zu anderen Bands wie Fleet Foxes oder Grizzly Bear, zu denen sich Vergleiche immer wieder aufdrängen, bleibt Lawrence Arabia jedoch irgendwie in seiner Nostalgie verhaftet, als lausche man einem schönen Museumsfund. Das ist nicht selten berauschend in seinem schönen Harmoniebedürfnis, aber in seiner Gesamtheit auch manchmal etwas reduziert und in seiner Romantik leicht befremdend. Aber vielleicht gibt Lawrence Arabia in seinem seiner Songs ja selbst die Antwort auf die Frage nach seiner musikalischen 60´s-Träumerei: „I´ve smoked too much“!

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