Lamps Of Delta – Interregnum Express

von JonesKorn am 1. September 2009

in Musik!

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Lamps Of Delta? Nie gehört? Kein Wunder, ist „Interregnum Express“ doch das Langspielerdebüt der vier Schweizer. Und irgendwo zwischen Hardcore, Indie, Rock und Alternative liegt heute ohnehin fast jede zweite Neuerscheinung, hat man den Eindruck. Eben selbigen beim Hörer zu hinterlassen fällt da nicht leicht. Aber hier zwiebelt uns das Quartett was auf die Ohren, dass mal die Wände wackeln, uns mal Zeit zum ruhigen ausatmen bietet und das sich (fast) immer gut anhören lässt.

Eröffnet wird das dreckige Dutzend auf einer heftigen Hardcorewelle mit Namen „Black mace“, die einen ordentlich wachrüttelt und hochreißt. Mit gut zweieinhalb Minuten ein knackiges Eröffnungsintermezzo. Anschließend geht die Fahrt mit den nächsten zwei Titeln in ruhigere Gewässer, wobei „Flag“ das erste von insgesamt drei Instrumentalstücken ist, die alle mit Bedacht gehört werden wollen und dann durchaus Klasse ausstrahlen. Naja, ich mag Instrumentalstücke sowieso…

Danach höre ich überwiegend schmutzigen Rock’n’Roll, der mich ab und zu etwas an die Beatsteaks erinnert. Und dazu gehört nicht nur ein kräftiger Schlag auf’s Ohr, sondern oft auch eine unterschwellige Lässigkeit. Bei „City of despair“ wird das sogar fast übertrieben, aber die eingestreuten Riffs gleichen das sowie den schwachen Vortitel „Out of sight“ locker wieder aus.

Schade eigentlich, dass im netten Falteinleger (ich habe die Ponys nach vorne gefaltet) keine Texte enthalten sind, denn die klingen überwiegend spannend. Titel wie „A wind is on its way and it blows hard“, das phasenweise wie ein wild gewordenes Indie Rock’n’Folk Ungeheuer wirkt, lassen jedenfalls Platz für Phantasie. Genau jenes Stück ist mit und ohne Kombination mit dem direkt darauf folgenden instrumentalen Titeltrack ein echter Höhepunkt des Albums.

Abgeschlossen wird die knappe Dreiviertelstunde vom schwächsten Stück des Albums, dem französischsprachigen „Les chiens d’Angoulême“, das sogar noch hinter dem ebenfalls schwachen „Out of sight“ zurück steckt.

Lamps Of Delta reizen ihre Stücke gerne instrumental aus, nicht zuletzt gibt es schließlich drei Titel ganz ohne Gesang. Wird aber gesungen, dann bieten sie sowohl Hardcoreshouts als auch klaren Gesang, der gerne rotzig daher kommt. Das ganze wandert von geeignet zum Hören beim Bierchen in geselliger Wochenendrunde bis zu tanz- und rockbar; in beiden Fällen gehört der Lautstärkeregler ein gutes Stück aufgedreht und massig Gitarren muss man schon mögen, will man sich die Scheibe in den Spieler legen. Insgesamt bietet es für eine Dauerrotation noch etwas zu wenig Abwechslung, es macht aber auf jeden Fall schon Spaß und Vorfreude auf mögliche weitere Veröffentlichungen.

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Lamps of Delta – Interregnum Express

von Hififi am 1. September 2009

in Musik!

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Erstaunlich! Wir bekommen es redaktionell oft mit denselben Vertrieben zu tun und im Falle The Finest Noise Promotion habe ich schon so einige Platteninfos gelesen, wo der/ die Interpreten mit Fugazi verglichen wurden, was sich selten nachvollziehen ließ. Und jetzt passt es endlich mal: Gratulation! Lamps of Delta aus der Schweiz machen herrlich komplexen Indie-Rock meets Post-Core, der sich vor den ganz Großen kaum bis gar nicht verstecken muss.

Mutig, mutig meine Herren… Erstens, weil sich mit den ganz Großen zu messen, oftmals in die Hose geht und Zweitens, weil so etwas doch wieder kein Mensch kauft. Aber so muss „Interregnum Express“ wohl etwas mit Idealismus zu tun haben, mit Individualismus allemal. Dieses Debüt ist sicherlich kein seelenloser Klon bekannter Laut-Leise Krach-Kapellen geworden, wie auch Fugazi einstmals angefangen haben, bevor der Bandname zum Trademark wurde. Wenn es gut gemacht ist, funktioniert das Schema hervorragend, sonst gibt es wohl kaum etwas Langweiligeres.

So ist es vor allem Martin Chramostas Gesang, bzw. Gebrüll, der an Ian McKaye erinnert, denn die Gitarrenparts sind oftmals sehr viel brachialer und sägender, als wir es von Fugazi-Alben gewohnt sind. Sobald es um einen „fetten“ Gitarrensound geht, drängt sich immer wieder ein Studio auf: Blubox. In dem Zusammenhang fallen immer wieder die Namen Kurt Ebelhäuser und Guido Lucas, die nun einmal wissen, wie eine Gitarre zu klingen hat. In dem Fall übernahm Letzterer den Part an den Reglern und zauberte den vier Eidgenossen den gewohnt dreckigen Sound, der schon Blackmail oder Scumbucket auszeichnete. Jetzt wird Lamps of Delta der große Durchbruch sicher verwehrt bleiben, aber Freunde zwingender Gitarren, die auch nicht vor ein paar zünftigen Hardcore-Shouts zurückschrecken und diese Mischung sogar noch mit dem guten, alten Rock’n’Roll unter einen Hut bekommen, können hier bedenkenlos zuschlagen. Ach was, müssen!

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