Lali Puna – Our Inventions

von am 7. April 2010

in Musik!

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Würde man aus sämtlichen deutschen elektronischen Musikprojekten ein Schaubild gestalten, sähe dieses wohl aus, wie mit der Zentrifuge geschleudert: Ein Teil ergibt sich hemmungslos der einwirkenden Kräfte, lässt sich mitziehen, drückt nach außen bis der Körper schmerzt: Fette Beats, dicke Hose, flacher Ball, Fortschritt durch Technik. Ein anderer Teil versucht sich mit aller Kraft dagegen zu sperren, bis der Kopf schmerzt: eigenbrötlerisch, nerdig, beinahe zwanghaft zurückhaltend, kunstbeflissen. Minimalistisches Understatement als Aussage. Weilheim gilt seit Jahren als Zentrum für kopflastige, anspruchsvolle Popmusik, die besonders auch über die Landesgrenzen hinaus quasi ein eigenes Genre etabliert hat. Console, Tied & Tickled Trio, Hometrainer, MS John Soda, The Notwist und eben auch Lali Puna sind im Laufe der Zeit zu einem pulsierenden, kreativen Organismus herangewachsen, der Pop und Art auf eigenständige Weise höchst erfolgreich zu verknüpfen weiß. Weilheim ist längst Trademark, aber eine nachhaltige. Und dabei halten sich die Eingeborenen der bayrischen Kleinstadt bemerkenswert leichtfüßig und mühelos im Zentrum der Zentrifuge.

Lali Punas erstes Album seit fünf Jahren strahlt diesen Hintergrund in jeder Sekunde in alle Himmelsrichtungen aus und vermag dem Hörer dabei unglaublich nahe zu gehen. Als ginge es darum die Welt durch die Demonstration ehrlicher Bescheidenheit endlich wieder zur Räson zu rufen, beschränkt sich das Projekt nur auf das Wesentliche. Geschwindigkeit, Größenwahn, Gier sind die Begriffe, mit denen wir im Jahr 2010 jeden Tag zu tun haben, anscheinend ohnmächtig die gegenwärtigen Entwicklung auch nur zum Teil umzukehren oder aufzuhalten. Wieder einmal zeigt sich Valerie Trebeljahr als leise Kommentatorin unserer Welt. Sehnsucht, Melancholie, Wärme sind die Werte, die hier in jedem Track unaufdringlich angeboten werden. Mehr ist nicht nötig und darf sogar nicht sein. Es liegt am Hörer sich darauf einzulassen, was angesichts der puren Schönheit der Musik allerdings nicht schwerfällt. Hippiesk verkitscht ausgedrückt: „Our Inventions“ ist das leise Flüstern, dass den beginnenden Frühling begleiteten sollte. Oder anders formuliert: Wundervoll. Wundervoll. Wundervoll!

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