King Oliver’s Revolver – Gospel Of The Jazz Man’s Church

von am 9. August 2011

in Musik!

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Ungewöhnlich instrumentierte Musikkapellen haben zurzeit immer noch Hochkonjunktur. Balkanpop, Klezmer-Beats oder Gypsy-Punk wird mit Pop- und Rock-Elementen vermischt und das begeistert vor allem live. Selbst Indiepop-Bands treten mittlerweile häufig als kleine Orchester auf, inklusive Bläsersektionen, Streicher oder anderen Features, die die Songs ornamentieren und zu kleinen, euphorischen Sinfonien emporheben. Als unterkühlter Nordwest-Europäer muss man für diese Art von Musik zugegebenermaßen ein paar Ressentiments abwerfen. Aber wenn das schon die gefühlskargen Schweden hinkriegen, dann schafft das jeder andere auch!

King Oliver’s Revolver tragen die Pluralität ihres Sounds zum Teil bereits in ihrem Albumtitel mit sich herum: „Gospel Of The Jazz Man’s Church“ klingt wie eine leidenschaftlich gefeierte Messe, zu der jeder eingeladen ist, der Lust hat zu partizipieren. Dabei harmonieren die unterschiedlichsten Einflüsse wunderbar miteinander und sind gar nicht so bizarr-abgefahren, wie das durchgeknallte, aber liebevoll gestaltete Artwork von Jose Delhart zunächst vermuten lässt. Die achtköpfige Mannschaft macht sich vom Ausgangspunkt Schweden aus auf in die Welt, um Eindrücke zu sammeln, verwerten und als musikalische Lava wieder auszuspucken: Klezmer, Retropop, Punk, Gospel, Swing sind dabei deutlich herauszuhören, aber hier fasst eben keine Kategorisierung richtig, da alles wie von selbst an seinen Platz zu fallen scheint und dabei ganz ungezwungen einen homogenen, mitreißenden Strom erzeugt. Bei aller Vielfältigkeit schaffen es King Oliver’s Revolver den Hörer nicht zu überfordern, sondern mit tollen Songs zum Mitfeiern zu bewegen. Es geht nicht darum, möglichst viele exotische Merkwürdigkeiten auf die Platte zu stopfen, sondern die nahezu unerschöpfliche musikalische Bandbreite dazu zu nutzen, einzigartige Atmosphären zu schaffen, die man so nicht jeden Tag hört. Geigen, Klarinetten, Hörner, Gitarren und vieles mehr steigern sich in einen emotionalen Rausch, der eine unglaubliche Energie freisetzt, von der der Hörer sich einfach erfassen lassen muss. Die emotionale Wucht des Dargebotenen lässt sich schwer in Worte fassen. Wer mit den genannten Musikrichtungen so gar nichts anfangen kann, wird mit „Gospel Of The Jazz Man’s Church“ selbstredend seine Schwierigkeiten haben. Auf der anderen Seite bietet die Band hier eine ideale Anlaufstelle, um sich selbst unbekannte, neue Klangterritorien zu erschließen, denn grundsätzlich ist für jeden etwas dabei. Und eins ist gewiss: Keine Gartenparty bleibt trocken, wenn im Hintergrund diese Platte läuft.

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