Ken Stringfellow / Goldrush – Gleis 22, Münster, 17.02.2007

von am 20. Februar 2007

in Feierlichkeiten

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Ein typisches Gleis Doppelpack: Powerpop-Legende aus Seattle trifft auf US-Indiephile Jungspunde, irgendendeiner alten, verlassenen Scheune Oxfordshires entsprungen. Beide treffen sich schließlich wie selbstverständlich auf der Bühne und verpassen dem Publikum ein Finale mit Gänsehaut.

Ken Stringfellow ist fast schon eine Gleisinstitution: Unzählige Male war er schon da, in allen möglichen Konstellationen, oft Deutschland-exklusiv: Laut poprockend und akkustisch mit den Posies, auf Solotour, oder auch gar nicht – dafür kam der andere Posie Jon Auer. Ein Jahr ohne Ken im Gleis wäre nicht vollständig. Dabei hat er es seinem Publikum manchmal nicht leicht gemacht: Fast 3 Stunden Posie-Akkustikset mit nicht endenwollender Spielfreude verlangen auch eingefleischten Fans einiges an Stehvermögen ab, auch wenn es der einzige Deutschlandgig des Jahres war (2000). Unvergessen auch die Show zusammen mit den californischen Punkrockern von White Flag.

Manchmal hatte es der Hörer auch etwas zu leicht: „Every Kind Of Light“ wurde in Bandbesetzung vielleicht ein bisschen zu glatt vorgetragen. Kens Dauerjob bei Michael Stipe macht sich langsam bemerkbar: Die Posies 2006 fühlten sich mehr denn je an wie REMs kleine Brüder. Nichtsdestotrotz waren es tolle, erinnerungswürdige Abende.

Nun ist er also wieder da und stellt spielt in intimer Runde seine Solosongs- nur mit Gitarre und einem von den Donots ausgeliehenem Kawai Electric Piano. Ein bisschen zu viel „broken heart“-Pathos, ein bisschen zuviel emotionaler Schmalz. Aber hey, das ist Ken Stringfellow, dem nehmen wir das alles andere als übel.

Dabei präsentiert er sich zwischen den Songs als überaus charmanter Entertainer mit Augenzwinkern, und Eigenironie, und etwas politischem Small Talk. Nach ein paar Songs steht er schließlich mitten im Publikum, schmachtende Frauen von links, stark schwankender & vor sich hinlallender Typ rechts, Blitztlichtgewitter der Digicams überall.

(An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Eigenbau-Blogs & Homepages mittlerweile den unangenehmen Nebeneffekt mit sich bringen, dass fast jeder Fotos machen will, um sie dann später auf seine Seite zu stellen. In einer intimen Runde wie hier kann das einem schon gehörig auf den Sack gehen…)

Auf einmal bemerkt er, dass ihm die Zeit davongerannt ist. „There’s only 2 1/2 minutes left. I’m gonna play one final song“ sprach er, und verschwand anschließend schnell in Richtung Merch-Stand.

Auch GOLDRUSH waren schon mal im Gleis zu Gast. Vor gut einem Jahr füllten sie den Support-Slot für die grandiosen ROGUE WAVE. Damals wirkten sie im kleinen Club etwas deplatziert: Ihr Breitwand-Britrock wirkte zu etwas ambitioniert, zu großflächig, um komplett zu überzeugen. Ihr Potenzial ließ sich aber bereits damals erahnen. Mittlerweile hat man mit Mark Gardener unterwegs und hat zusammen eine Platte veröffentlicht. Jetzt steht das neue Album „The Heart Is the Place“ in den Startlöchern: GOLDRUSH setzen mit dem Opener „Aperture“ ein überdimensionales Intro für ihre Live-Show: Man könnte fast befürchten, sie hätten nicht viel dazu gelernt. Schicht um Schicht wird übereinander gebaut, Gitarren, Bass, Trompete, La-la-la-Gesang und Cymbals verdichten sich zu einer gewaltigen Wall of Sound, und nehmen dem Publikum, noch vom Support-Gig entwaffnet, erst einmal den Atem. Eigentlich ist alles beim alten geblieben: „Story Of The City“ schält sich aus dem hymnischen Rauschen heraus, Multiinstrumentalist Garo sieht immer noch ein wie ein bärtiger Verrückter und spielt pro Song mindestens drei Instrumente gleichzeitig. Sein Bruder Robin Benett sieht immer noch aus wie ein siebzehnjähriges Bübchen, und erstaunt immer noch bei jedem Song durch seine rauchig-schmelzige Stimme.

Die Soundstrukturen der ersten drei Songs hängen am seidenen Faden, das geplante Chaos, aus denen sich die Melodien formen, scheinen jeden Moment in sich zusammenzufallen. Sie kriegen die Kurve jedes Mal – aber jedes Mal haarscharf an der implosion vorbei. Nach und nach stabilisiert sich der Sound, und es wird klar, dass sich doch einiges verändert hat: Die Songs sind einfach grandios! Im Gegensatz zu den alten, eher soliden Starsailor-Stereophonics-Britrockern geht’s jetzt mehr in Richtung Flaming Lips-Weirdness und – Mark Gardener sei’s gedankt – Ride-Noise-Rausch.

Der Titeltrack des Albums wird zum fulminanten Höhepunkt mit Handclaps, Mariachi-Blasern und tollen Melodien. Schließlich kommt Ken Stringfellow nochmal vom Merchandise-Stand rüber, und zusammen spielen sie Big Stars „The Ballad Of El Goodo“.

Bis zum nächten Jahr, wir werden da sein!

Empfohlen sei hier das grandiose Oxford-based Indielabel Truck-Records: http://www.truckrecords.com/

Und außerdem GOLDRUSHs MySpace-Seite, wo man in das komplette neue Album reinhören kann: www.myspace.com/goldrushmusic

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