Kelis – Flesh Tone

von Pynchon am 9. Juni 2010

in Musik!

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Beinahe sieben Jahre ist es schon her, aber einige Musikliebhaber werden sich sicher noch an den leckeren Milchshake erinnern, den uns Kelis damals servierte, mit Kirsche obendrauf. Ob die Tanzschnecke an den ansteckenden Groove von damals anknüpfen kann?

Das gruselige Cover, ein kruder Science Fiction-Oriental-Bling Bling-Mix, absolut geschmacklos, soll da mal nicht abschrecken. Das „Intro“ gibt die Richtung vor, und die lautet ohne Überraschung wummiger Disco-Beat. So richtig Milkshake-mäßig, packen tut mich das aber nicht, klingt dann doch zu sehr nach Retorte aus der Charts-Fabrik. „We control the dancefloor“, tönt Kelis Stimme zum Ausklang, aber da ist dann doch entscheidend, möchte man der Dame klugscheißerisch entgegnen, wer denn da überhaupt noch am Ende des Songs rumturnt – ne leere Tanzfläche kontrollieren ist zumindest uncool. Die böse Vorausahnung des mäßigen Beginns bewahrheitet, bzw. verstärkt sich im Nachhinein zusätzlich. „22nd Century“ beispielsweise ist derart plastik-mäßig mit den üblichen Techno-Beats und Disco-Elektronik-Spielereien zusammengeschustert, während ein Background-Sänger „uh-huh-hu, uh-huh-hu“ dazu quakt und Kelis behauptet „Everybody is dancing! We are the stars“, dass dabei am Ende ein seelenloser Musikbrei herauskommt, der qualitativ keinen Fingerbreit über Scooter steht.

Ich bin zwar zugegeben kein Freund der Dancefloor-Musik, aber man kann auch in diesem Genre eigenständige Stücke produzieren, die einen gewissen Charme entwickeln und tatsächlich mitreißen. Auf „Flesh Tone“ findet sich nichts davon. Ein Song wie „4th of July“ ist vielleicht nicht schlechter als der Rest, aber nichts desto trotz miserabel. Für den Fall, dass ich eines Tages in Guantanamo interniert werde und die CIA-Folterknechte Informationen aus mir herauspressen wollen, sollten sie mich beispielsweise dem Track „Home“ aussetzen – hier quietschen die Beats, säuselt die Sängerin, rappeln die Bässe, eine aus dem Rudel gelaufene Höllenmaschine, ohne Ideen, ohne Einfallsreichtum, stupide Fabrikware, die dazu konzipiert wurde, großen Reibach mit dem grauenvollen Geschmack fehlgeleiteter Käufer zu machen.

Im Grunde sinnlos, das gesamte Album Stück für Stück durchzuexerzieren. Ein grottiges, ein grauenvolles Album- Punkt.

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