KAM:AS – Neverstate

von Pynchon am 17. April 2009

in Musik!

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Auch wenn das aktuell erscheinende „Neverstate“ das erste Album der Band Kam:as ist, das mir zu Ohren gekommen ist, sind die Jungs offensichtlich schon seit einigen Jahren musikalisch kreativ und haben laut Presseinfo auf ihrem letzten Album „Panic among Whales“ gar einen Ausflug in die Folkmusik unternommen. Von Folk ist nun nichts mehr zu hören, stattdessen ambitionierter Indie-Rock, der überwiegend live eingespielt wurde und dem gesamten Album einen erfreulich rauen, unmittelbaren Touch verleiht.

Mit dem Opener „Stratosphone“ geht es schon mal gut los: Ein experimentelles, gekonnt arrangiertes Stück, das in seiner vielschichtigen Spielfreude an die genialen Songtüftler der New Yorker Sonic Youth erinnert. Das Spannungsfeld zwischen freier Improvisation und strenger Kontrolle beherrscht nicht nur diesen Song. Von 08/15-Songstrukturen ist das zum Glück meilenweit entfernt – Kam:as machen Musik für abgefuckte Underground-Clubs.

In „No Command for Access“ erinnert mich der sprunghaft-getriebene Rhythmus sowie die nur mühsam gebändigte Energie zumindest ansatzweise an At the drive-in. Die geweckten Assoziationen sind also schon mal erste Güteklasse.

Eine Qualität der Band wird in „Be careful with the Hammer“ deutlich: Ausgelassener Chaos-Rock leitet plötzlich in ruhige, nahezu sanfte Passagen über, bevor die Musik dann ebenso abrupt wieder Tempo aufnimmt. Insgesamt zwar nicht unbedingt ein Klassiker, der einem beim ersten Hören die Hirnschale wegfegt, aber zweifelsohne hoch begabt und in seinen Brüchen sehr reizvoll.

Bisweilen fällt mir allerdings, so in „Fallout Kiss“, die Dominanz der großartig auftrumpfenden Gitarren-Klänge und des kraftvoll treibenden Schlagzeugs gegenüber einem vergleichsweise etwas blassen Gesang auf. In „Dumbo Queen“, einem eher schwächeren Stück, wird die etwas gewöhnungsbedürftige, hohe Gesangsstimme von einer kakophonischen Kreischattacke abgelöst, die wehmütige Erinnerung an die aufgelösten Refused weckt.

Schwer, aus dem insgesamt sehr gelungenen Werk, das unbedingt ein mehrmaliges Hören erfordert, einen Favoriten zu benennen, aber „Tell´em to lock up“ vereinigt alle Elemente, die „Neverstate“ stark machen – toller Gitarrenriff, ein hämmernder Rhythmus, immer wieder gebrochen und musikalisch verfeinert von kontrastierenden Passagen. Ein erstaunliches Album – hörenswert!

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