Juliette Lewis – Terra Incognita

von am 24. August 2009

in Musik!

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„I Can’t Hardly Wait“: Unvergessen ihr Auftritt als sich windende Faith Justin in “Strange Days” oder in “Kalifornia” als unterbelichtete Adele Corners an der Seite von Brad Pitt. Diese Schlaglichter sind allesamt über 15 Jahre her. Dennoch verkörpert Lewis für viele immer noch das sympathische, schmutzige Bang-Bang-Rock’n’Roll-Amerika, das seit Oliver Stones „Natural Born Killers“ immer mehr in die Krise geraten ist und nach und nach von seiner viel geliebten Freiheit abgegeben und gegen eine umfassende Paranoia eingetauscht hat. Lewis griff schon mit ihrer alten Band den Licks die Fäden der Vergangenheit auf und nutzte sie mit Leidenschaft für den Sound ihrer eigenen Songs: Iggy & The Stooges, Led Zeppelin, Blondie oder Patti Smith. Für „Terra Incognita“ stehen nun andere Musiker hinter ihr. Als Produzent wurde Omar Rodriguez-Lopez von Mars Volta eingespannt, der den bisher stets geerdeten Sound zum Teil komplett an den Wurzeln herausriss, in die Luft warf und so vom schwitzigen Rhythm’n’Blues-Acker löste. Das Ergebnis überragt in manchen Songs mit haushoher Psychedelia alles, was Lewis bisher veröffentlicht hat. Dabei gibt es auch weiterhin typische, lustvoll geifernde P.J. Harvey-Bitch-Nummern wie „Romeo“ oder „Ghosts“. Daneben stehen neuerdings auch moderne Rocker und mit „Uh Huh“ ein echter Radio-Pophit. Rodriguez‘ Einfluss ist am deutlichsten bei „Female Persecution“ zu spüren: Ein fast sechsminütiger, wabernder, flirrender, ausufernder Fusion-Trip im Acid Rausch, der instrumental auch ohne Probleme auf Miles Davis‘ „Bitches Brew“ Platz gefunden hätte. „Dies ist meine Version von dem, was auch immer Soul sein mag“ fasst Lewis „Terra Incognita“ zusammen und trifft mit ihrer Beschreibung das, was man jeder Sekunde des Albums anmerkt: Die Präsenz der Protagonistin. Trotz Fremdbeteiligung ist hier alles Juliette Lewis und wer sie schon mal live gesehen hat, weiß, warum sie das tut, was sie tut: Mühelos hat sie ihr Publikum im Griff, flirtet und posiert mit ihren Bandmates, und scheut auch den Kontakt mit dem Publikum nicht. Wenn sie in „Hard Lovin‘ Woman“ leidend von der Suche nach einem Hard-Lovin-Gegenstück singt, möchte man ihr jedes Wort glauben und sich in die Reihe der Männer einreihen, die ihr bereits zu Füßen liegen. So ganz arglos mag man ihr allerdings dann doch nicht aus der Hand fressen: Lewis ist schließlich Scientologin.

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