Julia Marcell – It Might Like You

von Hififi am 25. Juni 2009

in Musik!

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Die Geschichte der 23-jährigen Polin ist untrennbar mit der von sellaband.com verwoben, einer Internetplattform, die Musikern die Gelegenheit bietet Geld zu sammeln um ein Album aufzunehmen. Praktisch jeder Besucher der Seite kann seinem favorisierten Künstler einen Betrag seiner Wahl zukommen lassen, welcher unmittelbar für Studiokosten verwendet wird. Julia Marcell brauchte drei Monate bis sie die erforderlichen 50.000 US-Dollar zusammen hatte.

Im Prinzip ist sellaband.com die perfekte Möglichkeit, der Willkür der Plattenfirmenindustrie und den teilweise erbärmlichen Versuchen Trends zu evozieren, zu entkommen und bietet im Endeffekt dem potentiellen Konsumenten die Möglichkeit zu entscheiden, was und wen er hören will. Ein zweischneidiges Schwert allemal, denn auch die Charts haben nun mal eine gewisse Aussagekraft das Konsumverhalten der Zielgruppe betreffend. Wenn es aber darum geht Geld zu investieren, befinden wir uns auf einmal in einer völlig anderen Alters- und Zielgruppe, denn es geht nun nicht mehr darum ein paar Euros für eine Single auszugeben, sondern aktiv die Karriere eines Künstlers mitzugestalten. Es wird sicherlich nicht mehr allzu lange dauern und auch bei sellaband.com überwiegt der betriebswirtschaftliche Teil des Abenteuers, aber wenn bis dahin noch ein paar Alben wie „It Might Like You“ das Tageslicht erblicken, soll es recht sein.

Ein Album voll flirrender Streicher – zwölf Songs in ihrer Melodieverliebtheit an die ganz großen Damen des Kammer-Pop erinnernd, live eingespielt und grundehrlich – ist es geworden. Dramaturgisch gemahnen so einige Songs an Regina Spektor, besonders dabei „Outer Space“, mit seinen omnipräsenten Klaviermelodien, die aufeinanderprallen, an- und abschwellen, abwechselnd von Streichern getragen, wehmütig, manchmal geradezu nüchtern klingen und am Ende des Songs niemand mehr weiß, wie ihm genau geschehen ist. Ein schmaler Grat, den auch Tori Amos oft gegangen ist und immer noch geht, der oft in eine Sackgasse führt, aber hier ist eine junge Künstlerin am Werk, die ihr Debüt präsentiert und solche Sorgen sicherlich deplatziert sind. Passenderweise verrät ein Titel wie „The Story“ wo wir uns thematisch befinden, denn Marcell mag uns Geschichten erzählen, die ihr eine gewaltig lange Nase einbringen würde, wenn sie aus Holz wäre. „It Might Like You“ bleibt dabei zu jeder Zeit frisch und phantasievoll, wie es sich nur wünschen lässt. Gehen wir also davon aus, dass alle 657 „Believer“ in diesem Falle bereits der Daseinsberechtigung einer Plattform wie sellaband.com entsprochen haben.

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