Julia Hummer And Too Many Boys – Downtown Cocoluccia

von Benjamin am 8. Oktober 2005

in Musik!

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Singer, Songwriter! Und das von einer deutschen Schauspielerin, die das zwar nicht sein will und immer schon Musik gemacht hat, aber eben zunächst als Schauspielerin berühmt wurde. Zunächst, denn jetzt kommt die Musikerin Julia Hummer!

Zunächst habe ich von ihr eine Spiegel-Rezension gelesen. Stichwort: Bob Dylan. Also habe ich zur Vorbereitung erstmal das „Blonde on Blonde“-Album von Bob Dylan gehört. Irgendwann dann das Album kurz vor Schluss aus dem CD-Spieler geworfen und Julia Hummer and Too Many Boys eingelegt. Und was hört man im ertsen Track? Richtig: eine dylaneske Mundharmonika – perfekter Übergang. Aber nun zum Album von Frau Hummer.

Alle Songs sind selbst geschrieben. Das ist deshalb erwähnenswert, weil sich einige Tracks anhören, als wären sie sehr gute Coverversionen von Songs, die man aus dem Radio kennt. Die Songs wirken vertraut aber keineswegs verbraucht. Vielleicht kann man die Songs als die intelligenten Geschwister eines guten WDR2-Songs beschreiben. Das beschreibt auch schon die Musikrichtung: Popmusik angloamerikanischer Prägung mit einem großen Folkanteil. Bob Dylan habe ich ja schon erwähnt (der Opener). Manchmal erinnert die Instrumentierung an Bright Eyes, d.h. viel Akkustikgitarre, mal nen Schifferklavier, mal mehr mal weniger Instrumente, aber immer angemessen. Folk, Country, (Indie-)Pop – so lauten die Koordinaten.

Als Anspieltipps (wenn man die bei einem runden Album geben kann) könnten dienen: Für Dylan-Fans der Opener „True & Innocent & Untouched“; „As Simple As Can Be“ mit der männlichen Background-Stimme im Refrain und einer simplen Soundstruktur, „Our Empire Is“ gehört in die Kategorie Indie-Pop, Endsong ist eine Ballade, die auch auf einem Norah Jones-Album zu finden sein könnte; New Blues könnte auf The Cardigans „Gran Tourismo“ sein; „I Want More“ ist in bester… Das war nix! Bei dem Album kann man keine Anspieltipps geben! Es passt einfach zusammen.

Die Texte stören nicht, sind gelegentlich originell, manchmal richtig gut, mal mit ner Spur Humor (Ja, sie sollte besser Fred Dörst umbringen als Therapeutin werden…). Sie verwendet auch mal ein und diesselbe Strophe in zwei Liedern und sie verarbeitet geschickt Wendungen aus der Musikgeschichte des 20. Jahrhundert. Eine dieser Platten, die quasi im Kaufhaus der Popmusik in der Bio-Abteilung (sprich: handgemachte, akkustische Musik) einkauft, aber gelegentlich auch mit Glutamaten würzt (sprich E-Gitarre, Keyboard).

Ach ja: Auf dem Album arbeitet eigentlich nur ein „Too Many Boy“ komplett mit: Christopher Uhe, „bekannt“ von Schneider TM, Sharon Stoned, usw. Ansonsten gibt es wirklich viele Gastmusiker, die mal bei einem oder zwei Lied mitspielen. Was aber nicht auffällt, es fügt sich alles gut zusammen.

„Cocoluccia“ ist übrigens eine Fantasiestadt. Das ist da, wo Julia Hummer gerne wäre. Wenn die Musik da immer so gut ist, wie von dieser Platte, dann würde ich da auch gerne wohnen!

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Oktober 26, 2005 um 13:15 Uhr

Ich bin immer mehr verliebt in diese CD! Und nun habe ich die Visions-Kritik gelesen und finde die CD trotz der vergebenen 9 von 12 Punkte nicht genügend gewürdigt! Julia Hummer for Göttin!

2 Sterereo Oktober 26, 2005 um 16:34 Uhr

Da hat ja anscheinend jemand Eindruck hinterlassen! 🙂

3 Hififi Oktober 27, 2005 um 14:19 Uhr

Hab sie jetzt zwar erst 3-4 mal gehört, aber wirklich: Das ist Großartig, Das ist Singer/Songwriter-Musik wie sie ruhug häufiger klingen darf. Keine sauber produzierten Langeweiler-Platten mehr, mehr Hummer braucht das Land!

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