Juli Zeh und Slut – Corpus Delicti

von Hififi am 18. September 2009

in Musik!

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Wie genau die „Schallnovelle“ auf der Bühne funktionieren soll, kann das Hörbuch nicht beantworten. Denn in knapp sechzig Minuten wechseln sich gelesene Passagen aus Juli Zehs Science-Fiction-Thriller „Corpus Delicti“ mit Hörspielelementen ab, dazu spielen Slut sieben neue Songs ein, die thematisch dem Inhalt Zehs Utopie entsprechen und definitiv zu den Besten der Bandgeschichte gezählt werden können.

„Corpus Delicti“ steht literarisch in der Tradition der großen Utopien, wie „1984“ oder „Schöne neue Welt“ und ist dabei spannend wie „Blade Runner“. Die „Schallnovelle“ transportiert eine ähnliche Stimmung, wie wir sie aus den vorgenannten Großtaten kennen und sagt alles über die Romanvorlage aus. Mit jedem Satz schnürt es dem Hörer ein Stückchen mehr die Kehle zu und Slut sind eindeutig nicht angeheuert worden, um diese Stimmung aufzuhellen.

Nun geht es bei uns ja eigentlich um Musik, also gehen wir mal etwas tiefer in medias res und beschäftigen uns mit den sieben neuen Songs der Ingolstädter. Schon seit „Lookbook“ von 2001 ist eine gewisse Nähe zu Radiohead unüberhörbar. Jetzt konnte besagter Tonträger nicht im Geringsten an „OK Computer“ oder „Kid A“ heranreichen und klingt heutzutage fast bieder, zumindest altbacken. Vor allem der Bandsound ist heutzutage um einiges wärmer und organischer, als es vor acht Jahren der Fall war und gerade ein Song wie „Neurotitan“ scheint noch der „Dreigroschenoper“-Phase der Band geschuldet. Einfach ein wunderbar zeitloser Song. „Healthy Life Accident“ legt in gerade mal zwei Minuten die mittlerweile berechtigte Nachbarschaft zu Radiohead dar. Neuburger bringt zwar ein weniger exaltiertes Organ zu Gehör, aber besonders das Gitarrenpicking findet sich ebenso auf „In Rainbows“. Natürlich lässt sich jederzeit Slut heraushören, wo ja auch Slut drin ist, mit dem Radiohead-Vergleich soll nur gesagt sein, dass Slut 2009 ein beängstigend hohes Niveau erreicht haben und ich mich auf einen neuen Langplayer bereits freue. Das Gesamtwerk „Corpus Delicti“ besteht also aus einem herausragenden Roman und dem Besten, was unsere deutsche Indie-Institution zu leisten imstande ist – behaupte ich jetzt einfach mal. Kaufempfehlung, ganz klar!

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1 Sterereo September 18, 2009 um 13:37 Uhr

Ich mochte ja auch schon „StillNo1“. Aber dieses Projekt, also Hörspiel und Indie-Album verwoben, muss ich mir erstmal in ruhe anhören, um sagen zu können, ob mir sowas gefällt.

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