Juicy Beats-Festival – Dortmund Westfalenpark – 30.07.10

von Hififi am 11. August 2010

in Feierlichkeiten

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Steht eine Woche nach der Katastrophe in Duisburg eine Elektro-Tanzveranstaltung wie das Juicy Beats unter einem guten Stern? Vielleicht nicht unbedingt. Aber wem Bitteschön wäre denn damit geholfen, wenn sie einfach ersatzlos gestrichen würde? Als Zeichen der Anteilnahme gedenken Musiker wie Publikum an diesem Samstag zwischen 18.45 und 19 Uhr den Opfern der Massenpanik, indem auf allen Bühnen der Betrieb für diesen Zeitraum eingestellt wird.

Und all das, was in Duisburg falsch gemacht wurde, wird in Dortmund seit Jahren richtig gemacht. Es gibt mehrere Eingänge, es gibt eine Vielzahl an Security-Personal und bei der Weitläufigkeit des Westfalenparks ließe sich fast vermuten, es wären nur einige hundert Besucher und nicht immerhin 25.000 unterwegs. Einzig vor der Mainstage angekommen, lässt sich der Eindruck nicht mehr länger aufrecht erhalten. Denn schon zu etwas späterer Stunde (ab 20:30 Uhr) versammeln die Brüder Dewaele eine Vielzahl der Gäste vor der Hauptbühne, die gekommen sind, um 2 Many DJs Krach mit Pop vermengen zu sehen, natürlich nicht ohne zu tanzbaren Beats die gute Laune zu beschwören. Als weiteren Beweis, wie ernst der/ die Veranstalter die Organisation nehmen, darf an diesem Abend niemand mehr seitlich vor die Bühne, außer es verlässt gerade jemand das Areal. Aber mit ein bisschen „Bitte, bitte!“ und der Bemerkung, „man müsse doch über irgendwas schreiben“, ließ sich der Herr von der Security erweichen. Der schmale Grat zwischen Kompromiss und Pedanterie bleibt offenbar gewahrt und so soll es sein. Die beiden Belgier bringen derweil die Masse in Schwung und verwursten auch noch die schlimmsten Sünden der Pophistorie (ABBA). Das lässt sich gerade mal mit MGMT oder Klaxons wieder gut machen, die Liste der zur Verfügung stehenden Remixe ist jedenfalls lang und so schöpfen die Dewaeles aus dem Vollen und das Publikum dankt es ihnen. Für mich ist es allerdings eine Prise zu viel Big Beat und zu wenig Krawall-Techno wie ihn beispielsweise Gaspard Augé und Xavier de Rosnay mit Justice so unnachahmlich entstehen lassen. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Also schnell zur FZW-Stage wo Nouvelle Vague den New Wave der Achtziger in die Bossa Nova-Neuzeit transportieren. Und auch in diesem Fall zeigt sich ein Produzenten-Team verantwortlich, Marc Collin und Olivier Libaux nämlich, die sich der verschiedensten Sängerinnen bedienen, um sie beizeiten wieder rauszuschmeißen. Interessantes Konzept! Und bei Klassikern wie „Road To Nowhere“ von Talking Heads oder „Love Will Tear Us Apart“ von Joy Division darf natürlich artig gestrahlt werden. So richtig tanzbar sind sie nicht, dafür aber einfach sehr verspielt und die Songs, bzw. die Neuinterpretationen, sind einfach ungemein melodiös. Das Nouvelle Vague seit einiger Zeit Konkurrenz durch Hellsongs aus Schweden bekommen haben, dürfte dabei nicht stören. Nouvelle Vague sind doch zu eigenständig – dafür ließe sich sehr leicht das Dead Kennedys-Cover „Too Drunk To Fuck“ anführen – um den locker, leichten Folk-Songs der Schweden Konkurrenz zu machen.

Aber ca. drei Stunden zuvor gab es die großartigen Hundreds auf der Konzerthaus-Stage zu bestaunen, auch die Ananas genannt, ein sicherer Garant jedes Jahr neue, wie innovative Musik hören zu dürfen. Die Herren Dukes of Windsor haben ein kleines bisschen überzogen und die Geschwister Milner plagen sich mit der mittlerweile tiefstehenden Abendsonne und technischen Problemen herum, weshalb Plus/Minus von den der eigentlich Stunde Spielzeit knapp die Hälfte übrigbleibt. Ein Drama! Und auch wenn Eva anfangs noch ein wenig missmutig in die Sonne blinzelt, den Auftritt nachher als eher wenig gelungen abtut, hat die Meute vor der Bühne ihren Spaß. „Solace“ bildet wie auf dem selbstbetitelten Debüt die Vorhut, um den älteren Stücken den Weg zu ebnen. Von jeher ein wahrer Tanzflächenfüller weiß „Song For A Sailor“ auch heute wieder zu begeistern, so lassen sich beide Songs gut vergleichen und „Solace“ ist der etwas raffiniertere Zwilling, aber Spaß machen sie beide. „Fighter“ darf natürlich nicht fehlen und so bekommt die Ananas heute eher die früheren Songs zu hören, die natürlich immer noch ihren Dienst bestens erledigen. Dann ist so gut wie Schluss, sodass „Let’s Write The Streets“ – seines Zeichens mittlerweile der stärkste Song der Hamburger – in der Kurzversion herhalten muss, das Finale aus flirrenden Synthies muss also leider draußen bleiben. Aber was soll’s, es wird noch genug Gelegenheit geben sich die Hamburger anzusehen.

Das überaus fruchtige „Ein Tages-Melt!“ hat natürlich noch sehr viel mehr zu bieten, sodass dies sicher nur als ein kleiner Auszug zu sehen ist, von dem, was sich alles noch erleben lässt im Westfalenpark. Jedenfalls ist und bleibt das Juicy Beats die chilligste Variante Electro mit Indie-Klängen zu kombinieren!

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