Juicy Beats 17 – Dortmund Westfalenpark 28.07.12

von Hififi am 30. August 2012

in Feierlichkeiten

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Das Ein Tages-Melt! geht in die 17. Auflage und beweist einmal mehr, dass es die Konkurrenz zum Hipster-Ballermann in Ferropolis nicht fürchten muss. Zumal der Dortmunder Westfalenpark als geradezu idyllisch bezeichnet werden darf, es fast ein wenig verwundert, dass die Stadtoberen offensichtlich ein gesundes Restvertrauen in musikliebende Besoffskis zu haben scheinen. Danke dafür!

Ein kleiner Wermutstropfen vorab dann sicher die Absage der Hip Hop-Titanen von De La Soul und es ließe sich fast ein wenig von Tradition sprechen, bedenkend, dass Beth Ditto letztes Jahr leider ebenfalls kurzfristig verhindert war. Aber nun gut, kommt das diesjährige Juicy Beats eben ohne „wahren“ Headliner aus, denn weder Casper noch Modeselektor können diesen Platz abendfüllend einnehmen und wollen das zudem sicher nicht einmal. Zu bescheiden und eigentlich zu sympathisch für das Haifischbecken Musikbranche der Wahl-Berliner aus Bielefeld, dessen krächzender Indie-Hop sicher nicht jeden vom Hocker haut. Dann können sicher schon die Herren Egotronic für mehr gröhlend/ hüpfende Begeisterung unter den jungen und ewig Junggebliebenen sorgen, allerdings zu sehr viel früherer Stunde. Und selbst die Laudatio auf Viva con Agua (http://www.vivaconagua.org/) hätte so sicher auch ein 12-jähriger halten können („Die machen da Brunnen von“). (Bezeichnenderweise sehe ich den Restabend nicht einen Mitarbeiter dieser wunderbaren Organisation, die ich von Herzen unterstütze.) Der darauffolgende Beardyman wird mir als „saugeile“ Human Beat Box schmackhaft gemacht, und ja, zumindest eine kleines Lächeln huscht gelegentlich über mein nieselregennasses Antlitz. Von Zeit zu Zeit an 90er Jahre-Jungle á la Kruder & Dorfmeister gemahnend hat der Bartmann seine besten Momente in stampfende Hip Hop-Beats gewickelt und geht ansonsten eher als Hintergrundbeschaller, als als ernsthafter Musiktreibender durch. Und so wie die FZW-Stage ein Heim für Audiolith-Bands bietet, verspricht die überaus intimere Konzerthaus-Stage ein Freudenfest für jeden Besucher, der es lieber ein wenig bedächtiger mag. Von Singer/ Songwriter bis Electro-Pop hier wird hier alles abgedeckt. Die ehrwürdigen Hundreds fanden hier bereits eine Heimat und in diesem Jahr ist es wohl die zierliche Dillon, die musikalisch am ehesten dem tanzbaren Pop-Sound der beiden Hamburger entspricht. Ein wenig übellaunig blinzelt sie zuerst in die pralle Sonne, die ihr entgegenstrahlt, aber nach nur drei gespielten Songs erhellt sich ihr paillettenverziertes Antlitz, denn die Leute tanzen und stehen zahlreich vor der kleinen Bühne. Zuvor konnten aber die Niederländer um The Black Atlantic bei einigen Eingeweihten mit ihrem Folk meets Post Rock-Sound punkten, vielleicht am besten mit zwei Bandnamen erklärt: Sigor Rós und Fleet Foxes. Und wenn beide Bands mittlerweile eher nerven, hält die Melange in Gestalt The Black Atlantic etliche gelungene Songs bereit, unter anderem die ihrer aktuellen EP „Darkling, I Listen“, die allesamt etwas voller, es ließe sich das Unwort rockiger verwenden, ausgefallen sind.

Zurück vor der FZW-Stage sehen wir die Herren Stephens und Vogel einen Strauss an Country-Rock-Röschen darreichen und obschon sich an der selbstauferlegten Reduktion als Duo sich weiterhin die Geister scheiden, lässt sich ihr Auftritt als gelungen bezeichnen. Laut und wenig facettenreich, also genau die richtige Band in den mittleren Abendstunden, die der bereits angetrunkenen Menge genau das serviert, was sie hören möchte: Songs zum Mitfühlen, nicht um darüber nachzudenken. Höchstwahrscheinlich bin ich aus diesem Grunde mit dem Auftritt Get Well Soons nicht unbedingt einverstanden, weil ich zu dem Zeitpunkt weder nachdenken will, noch es noch richtig kann und nur zum Mitfühlen eignen sich Konstantin Groppers Songs nicht recht. Was auf Konserve zuhause im stillen Kämmerlein zumindest ansatzweise funktioniert, verpufft auf größeren Festivalbühnen einfach und nimmt der chansonartigen Intimität der Songs ihren Reiz. Danach ist dann auch schon fast Schluss und die Zeit der verschiedenen Dance-Areas bricht mit der untergehenden Sonne herein. Abschließend bleibt zu sagen, dass wir Zeugen eines ganz und gar durchwachsenen Festival-Tages wurden, was fürs Wetter wie fürs Line Up gilt, aber genau darin das Konzept zu suchen ist. Anders formuliert: Beim Juicy Beats ist wirklich für jeden was dabei und wer, so wie vielleicht wir, nicht gründlich genug sucht, der hat halt immer noch eine ganz und gar wunderbare Konzertlocation.

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