Johnny Flynn – Been Listening

von Pynchon am 15. Juni 2010

in Musik!

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Mit einem echten Klasse-Song beginnt Johnny Flynns zweites Album „Been Listening“: „Kentucky Pill“ mixt klassischen US-Folk mit hymnischen Bläser-Klängen, die eine südländische Fiesta-Atmosphäre herauf beschwören – schon mal nicht schlecht für den Start der Sommer-Saison. Flynns Gesang schwebt leicht und hell über dem reduzierten Arrangement, an dem – wenn ich nicht völlig daneben liege – wohl auch ein Banjo beteiligt ist sowie (hier bin ich allerdings sicher) ein dezentes Schlagzeug, das den beschwingten Rhythmus unaufdringlich untermalt.

Der erste Eindruck, dass Johnny Flynn ein hervorragender Songschreiber ist, wird durch weitere Songs wie „Lost and Found“ unterstrichen. Manchmal braucht man nicht mehr als Schlagzeug und Gitarre und einen ordentlichen Sänger (ok, ein Background-Chor setzt am Ende auch noch ein), um einen schönen Song aufzunehmen, der auch noch markant rüberkommt. Ein reines Folk-Album ist „Been Listening“ übrigens nicht, eher schon ein Stil-Mix, in dem auch mal eine Elektro-Gitarre eingesetzt wird (wie im Titelsong) und Flynns Stimme ziemlich blues-mäßig wehklagt, oder auch ein Piano erklingt wie in „Amazon Love“. Ergreift mich nicht alles gleichermaßen, aber das Album hat seine Höhepunkte: In „Barnacled Warship“ sorgen Streicher-Klänge für eine schräge Wildwest-Note, die prima passt und sich nicht antiquiert anhört. Manche Stücke wie „Sweet William Part 2“, das übrigens laut Presse-Info an Hesses „Siddhartha“ angelehnt ist, lassen sich auch gut in der Kneipe nachgrölen (was von Hesses Romanen eigentlich nicht zu behaupten wäre). Passt ganz gut, da Johnny Flynn tatsächlich in der Vergangenheit etliche englische Pubs betourt hat. Die Stimmung wechselt zwischen munteren Songs und schwermütigen, so etwa in der Ballade „The Water“, bei der Flynn zum gefühlvollen Duett von Laura Marling begleitet wird – was sich wiederum sehr schön anhört. Zum Wegtanzen lädt dann das rockige „Agnes“ ein (das schönste Stück für mich neben „Kentucky Pill“) – für Abwechslung ist also gesorgt.

Zum Schluss galoppiert die Musik in „The Prizefighter and the Heiress“ übrigens wieder ganz western-mäßig durch die Steppe, aber Johnny Flynn bringt das so charmant rüber, dass ich mir auch das gern gefallen lasse.

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