Johnny Borell – Lido Berlin, 27.10.2010

von sisilein am 30. Oktober 2010

in Feierlichkeiten

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Nachdem es in letzter Zeit etwas ruhiger um Mr. Borell und seine einst so gefeierte Band Razorlight geworden ist, was wohl hauptsächlich Zwistigkeiten zwischen ihm und Ex-Drummer Andy Burrows geschuldet ist, versucht er es nun unter eigenem Namen.

Ohne Vorband gings fast pünktlich los und das gut gefüllt Lido erwartete Großes.

Johnny erschien in typisch Borellscher Super-Skinny-Jeans und mit Kronen bedrucktem Pyjama-Oberteil. Seine Band die Bokononists rekrutierte er aus einem Capt´n Jack Sparrow-Double am Bass, einem Heavy-Metal-Barden an der Gitarre und dem aktuellen Razorlight-Schlagzeuger.

Zuerst gabs zwei bekannte Razorlight-Songs zum Aufwärmen und dann neue Songs, die aber über Indie-Mittelmaß nicht hinauskamen und von Mr. Borell mit einer auffälligen Lustlosigkeit performt wurden. Auch die Band, deren Sound zu sehr von Bass und Schlagzeug dominiert wurde kam über Jahrmarkt-Standard nicht hinaus. Nur zwei neue Kompositionen („Dead Boys“, „Reveal Yourself“) konnten halbwegs den Drive der alten Razorlight-Arrangements aufnehmen. So hetzten Johnny und seine Band durchs Konzert, ließen kaum Zeit für Applaus, stellten einfach keinen Kontakt mit dem Publikum her. Es konnte kein Funke in den Saal überspringen. Nach und nach verebbte dort das Interesse und die Bargeräusche und das Gequatsche im Publikum waren selbst auf der Bühne vernehmbar.

Beim Razorlight-Paradesong „In The City“ wurde es Johnny dann zu bunt, er zog die Stecker, holte seine Jungs an den Bühnenrand und spielte die erste Strophe unplugged für ein Häufchen ergebener Fans in der ersten Reihe. So zog er auch den Rest des Publikums wieder in seinen Bann und entsann sich selbst seiner Entertainer-Qualitäten. Vom Schlafanzug und der vorherigen Schnarchigkeit befreit stürmte er halbnackt in den Saal, um dort voller Inbrunst und wieder elektrisch verstärkt den Rest des Songs zu performen.

Sein Publikum dankte ihm mit frenetischem Jubel und wurde nach einer engagierten Zugabe nur halbwegs versöhnt nach Hause geschickt.

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