Jimmy Eat World – Chase This Light

von Sterereo am 30. Oktober 2007

in Musik!

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„Licht, Kamera, ACTION!“ – schreit der nimmersatte Jimmy. Aber wo sind die Scheinwerfer? Werfen die strahlendschönen Alben „Clarity“ und „Bleed America“ einen zu dunklen Schatten voraus, der die Lichtblicke von „Chase This Light“ aufsaugt wie ein Schwarzes Loch? Oder ist endlich ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, der die trüben „Futures“-Gedanken vertreibt? Im rechten Licht betrachtet: Beides.

Ja, „Chase This Light“ ist wie vorher von der Band verkündet freundlicher und lebensbejahender geworden als das leicht bekümmerte Vorgängeralbum „Futures“. Aber, nein, ein Meilenstein wie einst „Clarity“ und der mindestens ebenso großartige Nachfolger-Pfeil in Amerikas siffende Wunde, „Bleed America“, ist es nicht geworden. Richten wir also den Spot auf den neusten Streich der vier Jungs aus dem sonnigen Arizona.

Dort findet sich neben dem schnödel Loch, das die Amis typisch großspurig „Grand Canyon“ nennen und hinpilgern wie die Moslems nach Mekka, auch in verhältnismäßig direkt Nähe die Geldvernichtungsmaschine Las Vegas. Wer bei dieser geographisch-genialen Überleitung in der Leitplanke gelandet ist, den darf ich in bester ADAC-Manier wieder auf die richtige Fährte bringen, indem ich endlich anfange über den Opener des neuen „JEW“-Albums zu schwadronieren: „Big Casino“. So heißt die erste, durchaus gelungene, Single und ganz ähnlich auch das Zweit- oder Drittprojekt von Hauptsänger Jim Adkins, namens „Go Big Casino“. Wahrscheinlich weniger ein Zufall als vielmehr ein zweitverwerteter Song. Der Track rechnet mit den schweren Bürden des fiesen Reichtums und des Berühmtseins ab – hach, die Probleme will man haben. Der Refrain und die schicke, nun ja, „Jimmy Eat World“-Klangwelt des Songs fräsen trotzdem einen bleibenden Eindruck in den auditiven Cortex des Hirns. Auch der zweite Track, „Let It Happen“, erinnert an die Leichtfüßigkeit ausgewählter „Bleed America“-Songs.

Im weiteren Verlauf, uh-ah, zelebrieren die, clap-clap, Südstaatler etwas, klingeling, zuviel, schellenringschepper, an Effektenhascherei und buttern damit ganz schön viel Pathos auf die durchschnittlichen Songs – ein nerviger Minuspunkt in der doch wichtigen B-Note. Negativbeispiel gefällig? „Here It Goes“.

Tol-l-erierbar – also angebracht und toll – fiedeln die Geigen ausnahmsweise beim verstörenden „Gotta Be Somebody’s Blues“. Durch Akustikgitarren-Geklampe eingesaugt, treibt der Basslauf die Spannung des Songs voran und Adkins haucht mit schaurigem Hall die Zeilen „Where you gonna run when they come for you? Will there be someone to sing your blues?“ – Gänsehaut, genial: Bester Track.

Halten wir also fest; Jimmy Eat World spielen bei ihrem neusten Album frei von der Leber und schrecken nicht vor poppigen Effekten zurück. Damit positionieren sie sich in der Bestenliste irgendwo hinter den Klassikern, aber noch vor dem Vorgängeralbum. Kein Quantensprung in Lichtgeschwindigkeit also, aber sicherlich – auch gerade wegen „Gotta Be Somebody’s Blues“ – kein Totalausfall. Trotzdem heißt es nach nur wenigen Rotations wohl: „Licht aus, wir geh’n nach Haus.“

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