Jeremy Enigk – World Waits

von Hififi am 28. Mai 2008

in Musik!

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Ein so klassisches Songwriter-Album hätte wohl in dieser Form niemand von ihm erwartet. Nach dem Ende von Sunny Day Real Estate und der Totgeburt und dem Kritik-Desaster von The Fire Theft hätte ich zumindest etwas sehr viel Düsteres erwartet. Aber zehn Songs von strahlender Schönheit mit einem grenzwertigen Pathos gepaart, das ist überraschend, überraschend gut.

Die Wandelbarkeit seiner Stimme ist mittlerweile enorm, so sang er bei seinen Vorgängerbands doch zumeist im Falsett und deutete zur „The Fire Theft“ auch nur vereinzelt seine ganze stimmliche Bandbreite an. Auf „World Waits“ ist dagegen so viel mehr vorhanden: Fragilität, Tiefe aber natürlich auch dieser typische Gesang, der ihn so einzigartig gemacht hat. Denn zur Melodieführung und zur Instrumentierung muss gesagt sein, dass sie nichts Ungewöhnliches oder gar Überraschendes zu bieten hat. Einfach nur fantastische Harmonien mit viel Piano und dezenten, gänzlich unverzerrten Gitarren, reduzierte Liedermacher-Kunst einfach. Was macht denn nun „World Waits“ so gut? Einfach nur, dass ich so wunderschöne Melodien mit einem so einzigartigen Gesang schon lang nicht mehr gehört habe. In jedem dieser Songs steckt so verdammt viel Herzblut. In z.B. „Damien Dreams“ ist alles, was ein perfekter Song braucht, zu den oben genannten Inkredenzien gesellt sich eine Dramaturgie, die wohl erst nach einiger Zeit des Musikerdaseins und dem Scheitern entsteht. Das Scheitern ist ganz signifikant; nachdem alle Vorgänger-Projekte und Bands mit wehenden Fahnen untergegangen sind, erscheint „World Waits“ auf dem eigenen Label Lewis Hollow Records und erst gar nicht in Deutschland. Ich denke, dass wird ihm mittlerweile auch ziemlich egal sein, denn er scheitert immer wieder fulminant.

Mit „The Missing Link“ erscheint wenige Zeit darauf ein Album mit vier neuen (unnötig zu sagen, ebenfalls brillianten) und fünf live eingespielten Songs von „World Waits“.

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{ 5 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Mai 28, 2008 um 20:01 Uhr

Ja, schöne Sachen, die Jeremy Enigk da gemacht hat. Mein liebstes Stück von ihm ist „Been here before“

2 Sterereo Mai 28, 2008 um 21:03 Uhr

Du hast mich auch direkt neugierig gemacht, dass ichs mir angehört hab. Was er da aus seiner einmaligen Stimme rausholt ist wikrlich klasse. Ich werds mir definitiv noch öfter reinfahren. Guter Tipp, danke!

3 Iain Mai 30, 2008 um 12:22 Uhr

ach das ist doch mist!

ich wusste beim lesen schon, dass ichs mögen werd (gute review also ;o), habs mir direkt angehört und fürchte fast, dass ich mir die cd dann wohl kaufen muss…

4 Sterereo Juni 2, 2008 um 13:43 Uhr

Übrigens keinem aufgefallen: Deine 100. Rezension! Herzlichen Glückwunsch!

5 Hififi Juni 2, 2008 um 13:50 Uhr

Danke, danke!

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