Jason Collett – Steinbruch Duisburg, 26.02.2011

von Claudi Yeah am 4. März 2011

in Feierlichkeiten

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Wenn Mitglieder von Lieblingsbands touren, dann muss man einfach aus dem Häuschen sein. So auch, als ich erfuhr, dass Jason Collett, einst aktiver Gitarrist der „Broken Social Scene“, in den Steinbruch kommen würde, um sein 2010er Album „Rat a Tat Tat“ vorzustellen. Leider hatte mich die lang anhaltende Euphorie am Tag des Konzertes verlassen unter anderem deshalb, weil mittlerweile feststand, dass der Kanadier ohne Backing-Band auftreten würde, sondern lediglich sich selbst auf der Akustikgitarre begleitend.

Was sich beim Supportact Haruko, eigentlich Susanne Stanglow aus Bremen, abzeichnete, nämlich sich extrem ähnelnde Akustiksongs, mit sehr dünner Stimme vorgetragen, konnte der durchaus Bühnenpräsenz beweisende Jason Collett zwar um ein vielfaches besser, dennoch habe ich mal wieder feststellen müssen, dass es alles andere als einfach ist, für einen Singer/Songwriter lediglich durch sich, seine Stimme und die Gitarre zu überzeugen, sowie dem Publikum einiges an Mühe abverlangt, dem Auftritt zu folgen.

Der an diesem Abend bestuhlte Steinbruch ist gut gefüllt und Jason Collett erinnert sich gleich zu Beginn an seinen letzten Besuch in Duisburg, den er zeitlich aber leider nicht mehr einzuordnen vermag (Anm.: 10.05.2008 im Hundertmeister).

Im Laufe des Abends kristallisiert sich weder ein besonders kommunikativer, noch ein zurückhaltender Collett heraus, einige seiner Ansagen wirken automatisiert heruntergespult, alles in allem vielleicht sogar unmotiviert. Lediglich zur Ankündigung von „High Summer“ stellt sich eine Gelöstheit ein, die Aufatmen lässt, so etwas wäre dem kompletten Konzert in seiner Gänze zu wünschen gewesen. Collett plaudert hier von der so genannten „Canadian Identity“, der Referenzzeile „A true Canadian is one who can make love in a canoe without tipping“ vom kanadischen Schriftsteller Pierre Berton und dem Ferienort Penetanguishene an der Georgian Bay. Ebenso äußert er seinen Unmut über den kanadischen Premierminister Stephen Harper, der, so Collett, keine Ahnung von Liebe und Kanu fahren habe.

Das überraschend ruhige Publikum bekommt an diesem Abend 20 Songs von drei Alben, die für mich zu einem einzigen Stück verschwimmen, einzig das großartige „I’ll Bring The Sun“, als letzte Nummer, entlässt mich aber doch milde gestimmt in den restlichen Abend. Eine Zugabensituation gab es keine, dafür aber einen persönlichen Dank an jeden Gast beim Verlassen des Raumes.

Weil Lieblingsbands aber nun einmal Lieblingsbands sind, auch wenn Jason Collett seit 2005 seine Solokarriere verfolgt und lange nicht zusammen mit der „Broken Social Scene“ aufgetreten ist, gehört er dennoch dazu und ich will und kann ihm den zähen Duisburger Abend nicht übel nehmen. In diesem Sinne: Lieber Jason, bitte komm wieder, aber bring deine Freunde mit!

Setlist:

01: Rave On Sad Songs

02: Lake Superior

03: We All Lose One Another

04: Honey I Don’t Know

05: Winnipeg Winds

06: High Summer

07: Papercut Hearts

08: Roll On Oblivion

09: My Daddy Was A Rock N‘ Roller

10: ?

11: Pavement Puddle Stars

12: Hangover Days

13: Bitch City

14: Long May You Love

15: Love Is A Chain

16: (Neuer Song)

17: Brownie Hawkeye

18: Fire

19: Blue Sky

20: I’ll Bring The Sun

Foto: myspace.com/jasoncollett

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